Welche historische Legende rankt sich um die Entstehung des Franzbrötchens?
Um die Entstehung des Hamburger Franzbrötchens ranken sich verschiedene Legenden, die fast alle auf die Zeit der französischen Besatzung Hamburgs unter Napoleon (1806–1814) zurückgehen.
Hier sind die gängigsten Versionen der Legende:
1. Das missglückte Croissant
Dies ist die bekannteste Erzählung. Die französischen Besatzungssoldaten vermissten in Hamburg ihr gewohntes Gebäck, insbesondere das Croissant und das weiße Baguette (damals in Hamburg als „Franzbrot“ bekannt).
Ein Hamburger Bäcker soll versucht haben, den Wünschen der Franzosen nachzukommen. Da er jedoch mit der Technik des Plunderteigs oder der typischen Hörnchenform nicht vollends vertraut war, oder weil er das Gebäck gehaltvoller machen wollte, buk er das helle Brot in reichlich Fett aus oder drückte es flach. Später verfeinerte man es mit der in Hamburg (durch den Hafen verfügbaren) beliebten Zimt-Zucker-Mischung. Das Ergebnis war kein Croissant, sondern das „Französische Brötchen“ – kurz Franzbrötchen.
2. Der „Franz’sche Bäcker“ Thielemann
Eine historisch etwas greifbarere Legende führt nach Altona (das damals noch nicht zu Hamburg gehörte, sondern dänisch war). Dort gab es einen Bäcker namens Johann Hinrich Thielemann, der für seine Backwaren nach französischer Art bekannt war. Er wurde deshalb oft der „Franzsche Bäcker“ genannt.
Seine Nachfahren behaupteten später, Thielemann habe das Franzbrötchen erfunden. Die Legende besagt, dass er ein herkömmliches Franzbrot (ein langes Weißbrot) in einer Pfanne mit Fett anbrieten wollte und es dabei flach drückte. Eine andere Variante besagt, er habe aus Versehen ein Stück Teig plattgedrückt, bevor es in den Ofen kam, und so die charakteristische Form entdeckt.
3. Die „Plattdrück“-Theorie
Es wird oft erzählt, dass die ursprüngliche Form des Franzbrötchens eher einem kleinen, länglichen Brot glich. Um es knuspriger zu machen und damit sich der Zucker und der Zimt besser karamellisieren konnten, fingen Bäcker an, das Gebäck in der Mitte mit einem Holzstab (oder dem Stiel eines Kochlöffels) tief einzudrücken. Dadurch quellen die Schichten an den Seiten hoch – das typische Aussehen des Franzbrötchens war geboren.
Der Kern der Wahrheit
Historisch belegt ist, dass der Begriff „Franzbrot“ im 18. und 19. Jahrhundert schlicht ein Synonym für weißes, flauschiges Weizenbrot war (im Gegensatz zum dunklen, groben Brot, das in Norddeutschland üblich war).
Das Franzbrötchen, wie wir es heute kennen – also ein süßes Plundergebäck mit Zimt und Zucker –, hat sich vermutlich im Laufe des 19. Jahrhunderts aus diesen „französischen“ Backtraditionen in Hamburg entwickelt und ist heute das kulinarische Wahrzeichen der Stadt.