Welche Hilfsmittel wurden vor der Erfindung von Papier zur Reinigung genutzt?

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Bevor Papier (und speziell das Klopapier, wie wir es heute kennen) weit verbreitet war, nutzten die Menschen je nach Region, Epoche und sozialem Status sehr unterschiedliche Hilfsmittel. Die Auswahl hing oft davon ab, was die Natur hergab oder was im Haushalt übrig war.

Hier sind die gängigsten Methoden aus der Geschichte:

1. Naturmaterialien (Die am weitesten verbreitete Methode)

Die einfachste Lösung war der Griff zu dem, was draußen wuchs oder herumlag:

  • Moos und Blätter: Weiches Moos war besonders beliebt. Bei Blättern musste man vorsichtig sein (Brennnesseln waren eine schlechte Wahl).
  • Heu und Stroh: Wurden oft in ländlichen Regionen oder in Ställen verwendet.
  • Gras: Ein Klassiker für Reisende und Hirten.
  • Maiskolben: In Nordamerika (nach der Einführung des Maises) waren abgeernte, getrocknete Maiskolben ein sehr verbreitetes Mittel, da sie weich und dennoch effektiv waren.

2. Antike Zivilisationen

Die Griechen und Römer hatten bereits fortgeschrittene (wenn auch aus heutiger Sicht unhygienische) Methoden:

  • Das Tersorium (Xylospongium): Im antiken Rom nutzte man in öffentlichen Toiletten einen Naturschwamm, der an einem Stock befestigt war. Dieser stand in einem Eimer mit Salzwasser oder Essigwasser und wurde von allen Besuchern geteilt.
  • Pessoi (Kieselsteine): Die Griechen nutzten oft glatt geschliffene Kieselsteine oder Tonscherben (Ostraka). Archäologen fanden Scherben, auf die manchmal die Namen von Feinden geritzt waren – eine sehr persönliche Art der „Reinigung“.

3. Asien: Hygiene-Stäbe

In China und Japan nutzte man lange vor der Erfindung von Papier sogenannte Hygiene-Stäbe (japanisch: Chūgi). Das waren flache Stäbe aus Bambus oder Holz, mit denen man den Schmutz quasi abschabte.

4. Textilien und Wolle

Wohlhabendere Schichten leisteten sich mehr Komfort:

  • Stoffreste und Lumpen: Alte Kleidung wurde zerschnitten und zur Reinigung genutzt. Diese wurden oft gewaschen und wiederverwendet.
  • Wolle: Im Mittelalter nutzten reiche Adelige oft Schafwolle.
  • Spitze und Seide: Es wird berichtet, dass Könige wie Ludwig XIV. feinste Stoffe zur Reinigung verwendeten.

5. Wasser (Die weltweit verbreitetste Methode)

In vielen Kulturen (insbesondere im Nahen Osten, in Indien und in Teilen Südostasiens) war und ist Wasser das Hauptreinigungsmittel.

  • Man benutzte die linke Hand und einen Wasserstrahl oder einen Krug (Lota). Deshalb gilt die linke Hand in diesen Kulturen bis heute als „unrein“ (man isst oder grüßt nicht mit ihr).
  • In Europa entwickelte sich daraus später das Bidet (18. Jahrhundert).

6. Seefahrt: Das „Trossen-Ende“

Seeleute nutzten oft die aufgedröselten Enden von dicken, alten Hanfseilen, die im Salzwasser hinter dem Schiff hergezogen wurden, um sie zu reinigen.

Der Übergang zum Papier

Obwohl die Chinesen bereits im 6. Jahrhundert Papier zur Reinigung nutzten, dauerte es im Westen sehr lange. Bevor es industriell hergestelltes Klopapier gab (ca. ab 1857 durch Joseph Gayetty), nutzten die Menschen oft:

  • Zeitungen und Kataloge: Der berühmte „Sears“-Katalog in den USA war so beliebt auf Plumpsklos, dass man ihn sogar mit einem Loch zum Aufhängen produzierte. Als das Magazin auf Hochglanzpapier umstellte, gab es massive Kundenbeschwerden, weil dieses nicht mehr saugfähig genug war.

Zusammenfassend: Die Menschheit war extrem erfinderisch – von Schwämmen über Steine bis hin zu Maiskolben war alles dabei, was die Umgebung hergab.