Sind in Bio-Einweggeschirr aus Papier oder Zuckerrohr gesundheitsschädliche PFAS-Beschichtungen enthalten?
Die kurze Antwort lautet: Ja, leider wurden in der Vergangenheit und werden auch heute noch häufig PFAS-Verbindungen in Einweggeschirr aus Papier und Zuckerrohr (Bagasse) nachgewiesen.
Hier sind die Details, warum das so ist, welche Gesundheitsrisiken bestehen und wie die aktuelle Lage aussieht:
1. Warum sind PFAS in Bio-Geschirr?
PFAS (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen) werden wegen ihrer wasser-, fett- und schmutzabweisenden Eigenschaften geschätzt.
- Zuckerrohr (Bagasse) und Pappschalen: Diese Materialien sind von Natur aus saugfähig. Damit eine Schale mit heißer Pommes-Fett oder Suppe nicht durchweicht, muss sie beschichtet oder das Material im Herstellungsprozess imprägniert werden.
- Die "Bio"-Falle: PFAS werden oft verwendet, weil sie billig und effektiv sind. Dass ein Produkt als „kompostierbar“ oder „biologisch abbaubar“ beworben wird, bedeutet leider nicht automatisch, dass es frei von Schadstoffen ist. PFAS sind „Ewigkeitschemikalien“, die in der Natur nicht abgebaut werden.
2. Sind diese Beschichtungen gesundheitsschädlich?
Ja, PFAS gelten als gesundheitsbedenklich. Das Hauptproblem ist, dass sie aus dem Geschirr in die Lebensmittel wandern können (Migration) – besonders bei heißen, fettigen oder säurehaltigen Speisen.
Mögliche gesundheitliche Folgen (bei langfristiger Aufnahme):
- Schädigung des Immunsystems (z. B. verminderte Impfwirkung).
- Erhöhung des Cholesterinspiegels.
- Zusammenhang mit Krebserkrankungen (z. B. Nieren- und Hodenkrebs).
- Beeinträchtigung der Fruchtbarkeit und hormonelle Störungen.
- Entwicklungsschäden bei Ungeborenen.
3. Aktuelle Studien und Erkenntnisse
Untersuchungen (unter anderem von Organisationen wie dem BUND oder europäischen Verbraucherschutzverbänden) haben gezeigt:
- Besonders molded fibre Produkte (gepresste Fasern wie Bagasse-Schalen, wie man sie oft in Salatbars findet) wiesen in Tests oft sehr hohe Konzentrationen an PFAS auf.
- In einer EU-weiten Studie von 2021 wurden in über 50 % der Proben von Einweggeschirr aus Papier, Pappe und Zuckerrohr PFAS gefunden.
4. Die rechtliche Lage (Wandel im Gange)
Die gute Nachricht ist, dass sich die Gesetze verschärfen:
- Dänemark: War das erste Land, das PFAS in Lebensmittelverpackungen aus Papier und Pappe bereits 2020 verboten hat.
- EU-weit: Es gibt bereits Verbote für einzelne Stoffgruppen aus der PFAS-Familie (z. B. PFOA). Ein umfassendes Verbot der gesamten PFAS-Stoffgruppe wird derzeit auf EU-Ebene diskutiert und vorbereitet, ist aber noch nicht vollständig in Kraft.
- Alternativen: Viele Hersteller stellen bereits auf PFAS-freie Alternativen um (z. B. mechanische Bearbeitung der Fasern, Einsatz von natürlichen Wachsen oder speziellen Biopolymeren).
5. Wie können Sie sich schützen?
- Achten Sie auf Labels: Manche Hersteller werben explizit mit „PFAS-frei“ oder „Fluorine-free“.
- Materialwahl: Unbeschichtetes Holzgeschirr (z. B. Messer/Gabeln aus Birke) oder Palmblattgeschirr (gepresste Blätter ohne chemische Zusätze) sind oft die sicherere Wahl als gepresste Papierschalen.
- Mehrweg bevorzugen: Die sicherste Methode, um Chemikalien aus Einwegverpackungen zu vermeiden, ist das Mitbringen eigener Behälter (Glas, Edelstahl oder schadstofffreier Kunststoff).
- Kurze Kontaktzeit: Wenn Sie Essen in solchen Schalen kaufen, füllen Sie es zu Hause so schnell wie möglich auf einen Porzellanteller um, besonders wenn es heiß und fettig ist.
Fazit: Nur weil „Bio“ draufsteht, ist es nicht unbedingt gesundheitlich unbedenklich. Gerade bei Zuckerrohr-Schalen ist die Wahrscheinlichkeit von PFAS-Beschichtungen hoch, sofern der Hersteller nicht explizit das Gegenteil garantiert.