Welche häufigen Nebenwirkungen treten bei Mitteln gegen Reisekrankheit auf?
Mittel gegen Reisekrankheit (Antiemetika) wirken meist auf das zentrale Nervensystem, um das Schwindelgefühl und die Übelkeit zu unterdrücken. Die häufigsten Nebenwirkungen hängen stark von der Wirkstoffgruppe ab.
Hier sind die gängigsten Medikamentengruppen und ihre Nebenwirkungen:
1. H1-Antihistaminika (am häufigsten verwendet)
Wirkstoffe wie Dimenhydrinat (z. B. Vomex) oder Diphenhydramin sind Klassiker gegen Reiseübelkeit.
- Sehr häufig: Müdigkeit und Schläfrigkeit. Dies ist die bekannteste Nebenwirkung. Die Reaktionsfähigkeit wird oft massiv eingeschränkt (Vorsicht beim Autofahren!).
- Mundtrockenheit: Ein trockenes Gefühl im Mund und Rachen.
- Sehstörungen: Verschwommenes Sehen durch eine Beeinflussung der Augenmuskulatur.
- Schwindel und Benommenheit.
- Herzklopfen: Gelegentlich kann es zu einem beschleunigten Puls kommen.
- Harnverhalt: Schwierigkeiten beim Wasserlassen (besonders bei Männern mit Prostatavergrößerung).
- Paradoxe Reaktionen: Besonders bei Kindern kann es statt Schläfrigkeit zu Unruhe, Angstzuständen oder Schlafstörungen kommen.
2. Anticholinergika (Pflaster)
Der Wirkstoff Scopolamin wird oft als Pflaster hinter das Ohr geklebt (z. B. Scopoderm).
- Sehr häufig: Mundtrockenheit.
- Sehstörungen: Da Scopolamin die Pupillen erweitert, kann man besonders im Nahbereich schlechter sehen und wird lichtempfindlicher.
- Schläfrigkeit und Benommenheit.
- Verwirrtheit und Halluzinationen: Diese treten selten auf, betreffen aber eher ältere Menschen.
- Hautreizungen: An der Stelle, an der das Pflaster klebt.
3. Pflanzliche Mittel (Ingwer)
Ingwerpräparate sind eine beliebte natürliche Alternative.
- Sodbrennen: Durch die Schärfstoffe des Ingwers kann die Magensäureproduktion angeregt werden.
- Aufstoßen: Ein geschmacklicher Rückfluss von Ingwer.
- Leichte Magen-Darm-Beschwerden.
Wichtige Warnhinweise
- Verkehrstüchtigkeit: Die meisten chemischen Mittel gegen Reisekrankheit machen müde. Man sollte nach der Einnahme kein Fahrzeug steuern oder schwere Maschinen bedienen.
- Alkohol: Alkohol verstärkt die schläfrig machende Wirkung von Antihistaminika und Scopolamin drastisch. Man sollte während der Anwendung konsequent auf Alkohol verzichten.
- Glaukom (Grüner Star): Menschen mit einem Engwinkelglaukom dürfen viele dieser Mittel nicht einnehmen, da sie den Augeninnendruck erhöhen können.
- Wechselwirkungen: Werden gleichzeitig Beruhigungsmittel oder bestimmte Antidepressiva eingenommen, können sich die Nebenwirkungen verstärken.
Tipp: Wenn Sie die Müdigkeit vermeiden wollen, sind Ingwerpräparate oder spezielle Akupressur-Armbänder einen Versuch wert, da diese das zentrale Nervensystem nicht dämpfen.
Hinweis: Diese Informationen dienen der allgemeinen Aufklärung und ersetzen keine ärztliche Beratung oder das Lesen des Beipackzettels.