Welche gesundheitlichen Risiken gehen von Bisphenol A (BPA) in herkömmlichen Bonrollen aus?

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Bisphenol A (BPA) in herkömmlichen Kassenbons (Thermopapier) gilt als gesundheitskritisch, da es ein endokriner Disruptor ist – also ein Stoff, der wie ein Hormon wirkt und das Hormonsystem beeinflusst.

Obwohl BPA in der EU seit dem 2. Januar 2020 in Thermopapier weitgehend verboten ist (Grenzwert von 0,02 %), sind die Risiken für die menschliche Gesundheit gut dokumentiert. Hier sind die wichtigsten gesundheitlichen Risiken:

1. Hormonelle Wirkung (Endokrine Disruption)

BPA ist strukturell dem weiblichen Geschlechtshormon Östrogen ähnlich. Es kann an Östrogenrezeptoren im Körper binden und dadurch natürliche Hormonprozesse blockieren oder fälschlicherweise aktivieren. Dies kann zu einer Vielzahl von Problemen führen:

  • Fruchtbarkeit: Beeinträchtigung der Spermienqualität bei Männern und Zyklusstörungen bei Frauen.
  • Frühe Pubertät: Es gibt Hinweise darauf, dass BPA zu einer verfrühten Pubertät bei Mädchen beitragen kann.

2. Risiken während der Schwangerschaft und Kindesentwicklung

Föten und Kleinkinder reagieren besonders empfindlich auf BPA, da sich ihre Organe und Hormonsysteme noch im Aufbau befinden.

  • Gehirnentwicklung: Studien deuten darauf hin, dass BPA die neurologische Entwicklung beeinflussen und zu Verhaltensauffälligkeiten (z. B. Hyperaktivität oder Aggression) führen kann.
  • Immunsystem: Es gibt Hinweise darauf, dass BPA das Risiko für die Entwicklung von Allergien und Asthma erhöhen kann.

3. Stoffwechselerkrankungen

BPA wird mit einer Reihe von zivilisatorischen Krankheiten in Verbindung gebracht:

  • Adipositas und Diabetes: Es kann die Fettzellbildung fördern und die Insulinresistenz beeinflussen, was das Risiko für Übergewicht und Typ-2-Diabetes erhöht.
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Langzeitstudien zeigen eine Korrelation zwischen hohen BPA-Werten im Urin und einem erhöhten Risiko für Bluthochdruck und Herzerkrankungen.

4. Krebsrisiko

Aufgrund der hormonellen Wirkung steht BPA im Verdacht, das Risiko für hormonabhängige Krebsarten zu erhöhen, insbesondere Brustkrebs und Prostatakrebs.


Warum war Thermopapier besonders problematisch?

Im Gegensatz zu BPA in Plastikflaschen (wo es fest in der Kunststoffstruktur gebunden ist), liegt BPA in Kassenbons als lose Beschichtung vor.

  • Aufnahme über die Haut: Beim Anfassen des Bons gelangt das BPA direkt auf die Haut. Handcremes oder Desinfektionsmittel können die Aufnahme in den Körper sogar noch beschleunigen (um den Faktor 10 bis 100), da sie die Hautbarriere durchlässiger machen.
  • Verschlucken: Über die Hände kann BPA indirekt beim Essen in den Mund gelangen.

Die aktuelle Lage und das Problem der Ersatzstoffe

Seit dem EU-weiten Verbot 2020 wird BPA in Kassenbons meist durch Bisphenol S (BPS) ersetzt.

  • Das Problem: BPS ist chemisch sehr ähnlich und steht im Verdacht, ähnliche hormonelle Wirkungen wie BPA zu haben. Viele Experten raten daher dazu, auch "BPA-freie" Bons mit Vorsicht zu behandeln, sofern sie nicht ausdrücklich als "phenol-frei" gekennzeichnet sind (erkennbar oft an einer bläulichen Farbe, z. B. Blue4est-Papier).

Empfehlungen zum Umgang:

  1. Händewaschen: Nach dem Kontakt mit Kassenbons die Hände waschen, besonders vor dem Essen.
  2. Kein Kontakt für Kinder: Kassenbons nicht Kindern zum Spielen geben.
  3. Lagerung: Bons nicht zusammen mit Lebensmitteln aufbewahren.
  4. Entsorgung: Kassenbons gehören in den Restmüll, nicht ins Altpapier. Im Recyclingprozess gelangen die Bisphenole sonst in den Kreislauf und finden sich später in Recycling-Toilettenpapier oder Lebensmittelkartons wieder.
  5. Digitale Bons: Nutzen Sie, wo immer möglich, digitale Quittungen.
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