Welche gesundheitlichen Risiken birgt der Inhaltsstoff Lidocain in Zahnungshilfen?

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Die Verwendung von Lidocain in Zahnungshilfen (meist Gele oder Lösungen) wird von medizinischen Fachgesellschaften und Gesundheitsbehörden zunehmend kritisch gesehen. Da Säuglinge und Kleinkinder ein geringes Körpergewicht haben, ist die Gefahr einer Überdosierung oder unerwünschter Nebenwirkungen deutlich höher als bei Erwachsenen.

Hier sind die wichtigsten gesundheitlichen Risiken im Überblick:

1. Gefahr der Überdosierung und Toxizität

Lidocain wird über die Mundschleimhaut sehr schnell in den Blutkreislauf aufgenommen. Wenn Eltern das Gel zu häufig auftragen oder das Kind zu viel davon verschluckt, kann es zu einer systemischen Vergiftung kommen. Dies kann schwerwiegende Folgen haben:

  • Krampfanfälle: Das Nervensystem kann überreagieren.
  • Herzrhythmusstörungen: Lidocain wirkt auf die Reizleitung am Herzen.
  • Hirnschäden: In extremen Fällen von Überdosierung kann es zu dauerhaften neurologischen Schäden kommen.

2. Methämoglobinämie (Sauerstoffmangel im Blut)

Dies ist eine seltene, aber lebensbedrohliche Komplikation. Bestimmte Lokalanästhetika (vor allem Benzocain, das oft ähnlich wie Lidocain verwendet wird, aber auch Lidocain selbst in hohen Dosen) können die Fähigkeit des Blutes beeinträchtigen, Sauerstoff zu transportieren.

  • Symptome: Bläuliche Verfärbung der Lippen oder der Haut (Zyanose), Kurzatmigkeit, Müdigkeit und schneller Herzschlag.

3. Beeinträchtigung des Schluckreflexes (Aspirationsgefahr)

Lidocain betäubt nicht nur das Zahnfleisch, sondern kann sich im Mundraum verteilen und auch den Rachenraum betäuben.

  • Verschlucken: Wenn der Schluckreflex betäubt ist, kann sich das Kind leichter an Speichel oder Nahrung verschlucken.
  • Aspiration: Es besteht die Gefahr, dass Flüssigkeit oder Nahrung in die Atemwege gelangt (Aspiration), was zu Lungenentzündungen führen kann.

4. Verletzungsgefahr

Durch die Betäubung spürt das Kind Schmerzreize im Mund nicht mehr richtig. Es könnte sich unbemerkt auf die Zunge oder die Wangeninnenseite beißen, was zu Entzündungen führen kann.

Aktuelle Empfehlungen (FDA und BfR)

  • FDA (USA): Die US-Arzneimittelbehörde warnt ausdrücklich vor der Verwendung von verschreibungspflichtigen viskosen Lidocain-Lösungen zur Behandlung von Zahnungsschmerzen bei Kindern.
  • Deutschland: Auch deutsche Kinderärzte und das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) raten zur Zurückhaltung. In vielen deutschen Apotheken sind lidocainhaltige Gele zwar noch frei verkäuflich (z. B. Dynexan oder Kamistad Baby – letzteres enthält oft eher Polidocanol oder Kamille, aber die Zusammensetzungen variieren je nach Produktlinie), sollten aber nur nach Rücksprache mit einem Arzt und extrem sparsam verwendet werden.

Sicherere Alternativen

Mediziner empfehlen heute primär nicht-medikamentöse Maßnahmen:

  1. Gekühlte Beißringe: Kälte lindert den Schmerz und lässt das Zahnfleisch abschwellen (nicht gefroren, nur kühlschrankkalt).
  2. Sanfte Massage: Mit einem sauberen Finger oder einer speziellen Fingerzahnbürste das Zahnfleisch massieren.
  3. Harte Brotkrusten oder Karotten: Nur unter Aufsicht (Verschluckungsgefahr!), damit das Kind darauf kauen kann.
  4. Pflanzliche Mittel: Gele auf Basis von Kamille, Salbei oder Nelke (ohne Betäubungsmittel).

Fazit: Aufgrund der potenziell lebensgefährlichen Nebenwirkungen bei Überdosierung sollte Lidocain bei zahnenden Babys nur die allerletzte Wahl sein und niemals ohne ärztliche Anweisung großflächig oder häufig angewendet werden.

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