Welche gesundheitlichen Risiken bestehen beim Einatmen der Dämpfe von frischem PU-Schaum?

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Das Einatmen der Dämpfe von frischem (nicht ausgehärtetem) PU-Schaum (Polyurethanschaum) ist mit gesundheitlichen Risiken verbunden. Diese gehen hauptsächlich von den enthaltenen Isocyanaten (meist MDI – Methylendiphenyldiisocyanat) und den Treibmitteln aus.

Hier sind die wichtigsten gesundheitlichen Risiken im Detail:

1. Reizung der Atemwege und Schleimhäute

Die Dämpfe wirken unmittelbar reizend auf die Schleimhäute. Dies kann sich äußern durch:

  • Brennen in den Augen und Tränenfluss.
  • Reizung von Nase und Rachen.
  • Husten, Kurzatmigkeit und ein Engegefühl in der Brust.

2. Sensibilisierung und „Isocyanat-Asthma“

Dies ist das gravierendste Risiko bei der Arbeit mit PU-Schaum.

  • Allergische Reaktion: Isocyanate sind starke Sensibilisatoren. Wenn der Körper einmal eine Allergie gegen diese Stoffe entwickelt hat, können schon kleinste Mengen (weit unterhalb der Grenzwerte) schwere asthmatische Anfälle auslösen.
  • Chronische Folgen: Einmal sensibilisiert, bleibt diese Überempfindlichkeit oft lebenslang bestehen. Man spricht dann vom sogenannten „Bäckerasthma“ der Baubranche oder Isocyanat-Asthma.

3. Gefahr durch Treibmittel (Lösemittel)

PU-Schäume enthalten Gase wie Propan, Butan oder Dimethylether, die den Schaum aus der Dose treiben.

  • Benommenheit: Das Einatmen hoher Konzentrationen dieser Gase kann zu Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit und im Extremfall zu Bewusstlosigkeit führen.
  • Brandgefahr: Diese Gase sind hochentzündlich. In schlecht belüfteten Räumen können sie mit Luft explosive Gemische bilden.

4. Verdacht auf krebserzeugende Wirkung

MDI (der Hauptbestandteil vieler PU-Schäume) ist von der EU als Stoff eingestuft, der im Verdacht steht, Krebs zu erzeugen (Kategorie 2). Ein direkter Beweis beim Menschen ist schwierig, aber Tierversuche haben entsprechende Hinweise geliefert. Daher muss auf den Dosen meist der Gefahrenhinweis H351 (Kann vermutlich Krebs erzeugen) stehen.


Was passiert nach dem Aushärten?

Sobald der PU-Schaum vollständig ausgehärtet ist (chemisch reagiert hat), ist er in der Regel physiologisch unbedenklich. Er gibt dann keine gefährlichen Isocyanat-Dämpfe mehr ab. Das Risiko besteht also primär während der Verarbeitung und in den Stunden der Trocknung.


Wichtige Schutzmaßnahmen

Um die Risiken zu minimieren, sollten Sie folgende Regeln beachten:

  1. Gute Belüftung: Arbeiten Sie niemals in geschlossenen, ungelüfteten Räumen. Fenster und Türen weit öffnen.
  2. Atemschutz: Bei längeren Arbeiten oder schlechter Belüftung sollte eine Atemschutzmaske mit entsprechendem Filter (Kombinationsfilter gegen organische Dämpfe und Partikel, z. B. A2-P2) getragen werden.
  3. Hautkontakt vermeiden: Isocyanate können auch über die Haut aufgenommen werden und zur Sensibilisierung führen. Tragen Sie immer Handschuhe und Schutzbrille.
  4. Nicht rauchen: Wegen der entzündlichen Treibgase besteht Explosionsgefahr.
  5. Schulungspflicht (für Profis): Seit August 2023 müssen gewerbliche Anwender im Rahmen der REACH-Verordnung eine spezielle Schulung für den Umgang mit isocyanathaltigen Produkten absolvieren.

Hinweis: Wenn Sie nach der Arbeit mit PU-Schaum anhaltenden Husten, Atembeschwerden oder hautallergische Reaktionen bemerken, sollten Sie einen Arzt aufsuchen und darauf hinweisen, dass Sie mit Isocyanaten gearbeitet haben.

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