Welche gesundheitlichen Bedenken gibt es gegenüber den Zusatzstoffen und Enzymen in industriellen Teiglingen?
Die Verwendung von industriellen Teiglingen (vorgefertigte Backwaren, die in Supermärkten, Discountern oder Backshops aufgebacken werden) steht immer wieder in der Kritik. Dabei geht es weniger um eine akute Giftigkeit, sondern vielmehr um langfristige Auswirkungen auf die Verdauung, das Immunsystem und die Nährstoffaufnahme.
Hier sind die wichtigsten gesundheitlichen Bedenken im Detail:
1. Unzureichende Fermentation und FODMAPs
Das größte Problem industrieller Teiglinge ist oft nicht das, was drin ist, sondern das, was fehlt: Zeit.
- Verdauungsprobleme: Bei der traditionellen Teigführung (lange Gehzeit) bauen Mikroorganismen bestimmte Zuckerverbindungen (FODMAPs) ab. Industrielle Teiglinge werden oft mit viel Hefe und Beschleunigern schnell hochgetrieben. Die verbleibenden FODMAPs können bei empfindlichen Menschen Blähungen, Bauchschmerzen und Reizdarmsymptome auslösen.
- Phytinsäure: In Getreide ist Phytinsäure enthalten, die Mineralstoffe wie Zink, Eisen und Magnesium bindet. Nur bei langer Teigruhe (besonders bei Sauerteig) wird diese Säure abgebaut, sodass der Körper die Mineralstoffe überhaupt aufnehmen kann.
2. Enzyme (Die "unsichtbaren" Helfer)
Industrielle Backwaren enthalten oft eine Vielzahl von Enzymen (Amylasen, Proteasen, Lipasen, Xylanasen), um den Teig maschinengängiger zu machen, das Volumen zu vergrößern und die Kruste zu bräunen.
- Kennzeichnungspflicht: Das Problem ist, dass Enzyme rechtlich als „Verarbeitungshilfsstoffe“ gelten. Da sie beim Backen theoretisch inaktiviert werden, müssen sie nicht auf der Zutatenliste stehen (Clean Labeling).
- Allergiepotenzial: Es gibt Hinweise darauf, dass Rückstände dieser Enzyme allergische Reaktionen oder Sensibilitäten auslösen können. Besonders das „Bäcker-Asthma“ ist eine bekannte Berufskrankheit, aber auch Verbraucher könnten auf hitzestabile Enzymreste reagieren.
- Gentechnik: Viele dieser Enzyme werden mithilfe von gentechnisch veränderten Mikroorganismen hergestellt.
3. Emulgatoren (z. B. E471, E472e)
Diese Stoffe sorgen dafür, dass sich Wasser und Fett verbinden und der Teig stabil bleibt, auch wenn er gefroren wird.
- Darmflora: Neuere Studien deuten darauf hin, dass bestimmte Emulgatoren die schützende Schleimschicht im Darm angreifen und das Mikrobiom (die Darmflora) negativ verändern können. Dies steht im Verdacht, chronisch entzündliche Darmerkrankungen und das metabolische Syndrom zu fördern.
4. Konservierungsstoffe und Säuerungsmittel
Damit die Teiglinge Wochen oder Monate in der Kühlkette überstehen, werden sie oft behandelt.
- Calciumpropionat / Sorbinsäure: Diese können bei empfindlichen Personen Kopfschmerzen oder Hautreaktionen auslösen. In klassischem Brot sind sie oft nicht nötig, in industriell verpackten oder langlebigen Teigen hingegen häufig zu finden.
- Phosphate: Diese werden manchmal als Backtriebmittel eingesetzt. Ein hoher Phosphatspiegel im Blut gilt als Risikofaktor für Nierenerkrankungen sowie für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, da sie die Gefäßwände schädigen können.
5. Hoher Salz- und Zuckergehalt
Um den Geschmack der oft eher faden industriellen Rohstoffe zu kompensieren, wird häufig mehr Salz und Zucker (oder Maissirup) zugesetzt als beim handwerklichen Bäcker.
- Ein hoher Salzkonsum ist ein bekannter Risikofaktor für Bluthochdruck.
6. Acrylamid
Industrielle Teiglinge werden oft so optimiert, dass sie im Laden sehr schnell eine braune, knusprige Kruste bilden. Durch die hohe Hitze beim schnellen Aufbacken und bestimmte zugesetzte Zuckerstoffe kann die Bildung von Acrylamid begünstigt werden, das als krebserzeugend und erbgutschädigend gilt.
Fazit
Für einen gesunden Menschen ist der gelegentliche Verzehr von industriellen Aufbackbrötchen in der Regel unbedenklich. Kritisch wird es vor allem dann, wenn:
- Unverträglichkeiten bestehen (z. B. Reizdarm), da die fehlende Fermentation die Bekömmlichkeit massiv verschlechtert.
- Man Wert auf Mikronährstoffe legt (Phytinsäure-Problematik).
- Man eine transparente Ernährung wünscht (wegen der nicht deklarationspflichtigen Enzyme).
Tipp: Wer gesundheitliche Probleme vermutet, sollte auf Backwaren mit langer Teigführung (traditionelle Handwerksbäcker, echtes Sauerteigbrot) umsteigen. Hier sind die Inhaltsstoffe meist natürlicher und die Verdaubarkeit ist durch die Zeit, die das Brot zum "Reifen" hatte, deutlich höher.