Welche gesundheitlichen Auswirkungen kann übermäßiger Lakritzkonsum haben?
Übermäßiger Konsum von Lakritz kann aufgrund des enthaltenen Inhaltsstoffs Glycyrrhizin (aus der Süßholzwurzel) ernsthafte gesundheitliche Folgen haben. Glycyrrhizin beeinflusst den Mineralstoffhaushalt des Körpers, insbesondere das Gleichgewicht von Natrium und Kalium.
Hier sind die wichtigsten gesundheitlichen Auswirkungen im Detail:
1. Bluthochdruck (Hypertonie)
Glycyrrhizin hemmt ein Enzym im Körper, das normalerweise Cortisol abbaut. Dadurch wirkt Cortisol in der Niere wie das Hormon Aldosteron: Es sorgt dafür, dass vermehrt Natrium und Wasser im Körper zurückgehalten werden. Dies führt zu einem Anstieg des Blutvolumens und damit des Blutdrucks.
2. Kaliummangel (Hypokaliämie)
Durch die hormonelle Umstellung scheidet die Niere verstärkt Kalium aus. Ein niedriger Kaliumspiegel kann weitreichende Folgen haben:
- Herzrhythmusstörungen: Kalium ist essenziell für die elektrische Reizleitung am Herzen.
- Muskelschwäche: Es kann zu Krämpfen, Muskelschmerzen oder im Extremfall zu Lähmungserscheinungen kommen.
- Müdigkeit und Erschöpfung.
3. Wassereinlagerungen (Ödeme)
Da der Körper durch das Glycyrrhizin vermehrt Natrium speichert, bindet er auch mehr Wasser. Dies äußert sich oft in Schwellungen an den Beinen, Knöcheln oder im Gesicht.
4. Hormonelle Auswirkungen
- Testosteron: Studien deuten darauf hin, dass sehr hoher Lakritzkonsum den Testosteronspiegel bei Männern vorübergehend senken kann.
- Schwangerschaft: Schwangere sollten vorsichtig sein. Übermäßiger Konsum wurde mit einem erhöhten Risiko für Frühgeburten und möglichen Auswirkungen auf die kognitive Entwicklung des Kindes in Verbindung gebracht.
5. Wechselwirkungen mit Medikamenten
Lakritz kann die Wirkung bestimmter Medikamente verstärken oder abschwächen, insbesondere:
- Diuretika (Entwässerungsmittel): Der Kaliumverlust wird massiv verstärkt.
- Herzmedikamente (z. B. Digitalis/Digoxin): Ein niedriger Kaliumspiegel macht das Herz empfindlicher für Nebenwirkungen dieser Mittel.
- Blutdrucksenker: Die Wirkung wird durch das Lakritz direkt gegengesteuert.
Ab welcher Menge wird es gefährlich?
Die Empfindlichkeit ist individuell verschieden. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und die EU geben folgende Richtwerte:
- Grenzwert: Bis zu 100 mg Glycyrrhizin pro Tag gelten für gesunde Erwachsene als unbedenklich.
- Das entspricht etwa 50 bis 100 Gramm normalem Lakritz (je nach Konzentration).
- Stark-Lakritz: In Deutschland muss Lakritz mit einem Glycyrrhizingehalt von mehr als 200 mg pro 100 g als „Stark-Lakritz“ gekennzeichnet sein. Bei Gehalten über 400 mg muss der Warnhinweis „Erwachsenenlakritz – kein Kinderlakritz“ aufgebracht werden.
Wer sollte besonders vorsichtig sein?
Personen mit folgenden Vorerkrankungen sollten Lakritz nur in sehr geringen Mengen oder gar nicht konsumieren:
- Bluthochdruck
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Niereninsuffizienz
- Diabetes
- Schwangere
Fazit: Gegen eine Handvoll Lakritz ab und zu ist für Gesunde nichts einzuwenden. Wer jedoch täglich große Mengen verzehrt, riskiert messbare Veränderungen des Blutdrucks und des Elektrolythaushalts.
Hinweis: Diese Informationen dienen der allgemeinen Aufklärung und ersetzen keine ärztliche Beratung.