Welche Gefahren entstehen durch verfärbtes oder sprödes Material am Steckdosen-Einsatz?
Verfärbtes oder sprödes Material an einer Steckdose ist ein ernsthaftes Warnsignal. Es deutet fast immer auf eine thermische Überlastung oder Materialermüdung hin. Wenn Sie so etwas bemerken, besteht akuter Handlungsbedarf.
Hier sind die spezifischen Gefahren, die dadurch entstehen:
1. Brandgefahr (Die größte Gefahr)
Verfärbungen (meist bräunlich oder schwarz) entstehen durch Hitze. Diese Hitze wird oft durch einen zu hohen Übergangswiderstand verursacht.
- Ursache: Wenn Kontakte im Inneren korrodiert, ausgeleiert oder die Schraubverbindungen der Kabel lose sind, muss der Strom einen Widerstand überwinden. Dabei entsteht Hitze.
- Folge: Das Material kann so heiß werden, dass ein Schwelbrand entsteht. Dieser kann sich unbemerkt hinter der Wand ausbreiten oder auf Tapeten, Vorhänge und Möbel übergreifen.
2. Gefahr eines Stromschlags
Wenn das Kunststoffmaterial spröde wird, verliert es seine isolierende Eigenschaft und seine mechanische Stabilität.
- Ursache: UV-Strahlung, Alter oder eben Hitze lassen den Kunststoff brüchig werden.
- Folge: Teile der Abdeckung oder des Einsatzes können wegbrechen. Dadurch liegen spannungsführende Teile frei. Wenn man nun versucht, einen Stecker einzustecken oder herauszuziehen, kann man versehentlich direkt mit dem Stromnetz (230V) in Berührung kommen, was lebensgefährlich ist.
3. Kurzschlussgefahr
Sprödes Material im Inneren des Einsatzes führt dazu, dass die Halterungen für die Metallkontakte nicht mehr stabil sind.
- Folge: Die Kontakte können sich innerhalb der Dose verschieben. Wenn sich die Phase (L) und der Nullleiter (N) oder die Erdung (PE) berühren, kommt es zum Kurzschluss. Dies kann zu Funkenflug (Lichtbögen) führen, die wiederum Brände auslösen oder empfindliche elektronische Geräte im Haus zerstören können.
4. Lichtbogenbildung
Lockere Kontakte in einer spröden oder verformten Steckdose können "knistern".
- Folge: Es entstehen winzige Lichtbögen. Diese erreichen extrem hohe Temperaturen (mehrere tausend Grad), die das Material schlagartig entzünden oder Metall schmelzen lassen können.
5. Verlust der Schutzfunktion (Erdung)
Wenn der Einsatz spröde ist, kann auch der Schutzkontakt (die beiden Metallbügel oben und unten) seine Spannung verlieren oder wegbrechen.
- Folge: Im Falle eines Defekts an einem angeschlossenen Gerät (z. B. Toaster oder Waschmaschine) kann die Fehlspannung nicht mehr sicher abgeleitet werden. Das Gehäuse des Geräts steht dann unter Strom, und die Sicherung (oder der FI-Schalter) löst möglicherweise nicht rechtzeitig aus.
Was sollten Sie tun?
- Nicht mehr benutzen: Stecken Sie keine Geräte mehr in diese Steckdose.
- Sicherung ausschalten: Nehmen Sie die entsprechende Sicherung im Sicherungskasten heraus, um den Stromkreis stromlos zu machen.
- Fachmann rufen: Lassen Sie die Steckdose von einem Elektriker austauschen. Ein Laie sollte Steckdoseneinsätze nicht selbst wechseln, da bei Fehlern (z. B. Vertauschen der Drähte oder nicht festgezogenen Schrauben) die oben genannten Gefahren erst recht entstehen.
- Ursache prüfen lassen: Der Elektriker sollte prüfen, ob nur die Steckdose alt war oder ob eine Überlastung der Leitung vorliegt (z. B. durch zu viele leistungsstarke Geräte an einer Mehrfachsteckdose).
Fazit: Eine verfärbte oder spröde Steckdose ist kein kosmetisches Problem, sondern ein akutes Sicherheitsrisiko für Leib und Leben sowie für das Gebäude.