Was verursacht das Verdrehen des Kabels beim Auf- oder Abrollen der Trommel?

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Das Verdrehen eines Kabels beim Auf- oder Abrollen (der sogenannte Drall) ist ein physikalisches Phänomen, das meistens durch die Art und Weise der Handhabung entsteht.

Hier sind die Hauptursachen im Detail erklärt:

1. Die Hauptursache: Abrollen über die Seitenflanke ("Überkopf-Abrollen")

Dies ist der häufigste Fehler. Wenn die Kabeltrommel flach auf dem Boden liegt oder feststeht und man das Kabel über den Rand der Trommel nach oben abzieht (ähnlich wie man eine Schnur von einer Garnrolle zieht), passiert Folgendes:

  • Für jede Windung, die von der Trommel genommen wird, wird das Kabel einmal um 360 Grad um seine eigene Längsachse verdreht.
  • Je mehr Kabel man abzieht, desto mehr Torsion (Verdrehung) baut sich im Kabel auf.
  • Das Ergebnis: Das Kabel bildet Schlaufen, „Kringel“ oder Knoten (sogenannte Kinken).

Die Lösung: Die Trommel muss sich beim Abrollen drehen (z. B. auf einem Abrollbock oder einer Achse). Das Kabel muss tangential (gerade) von der Rolle laufen.

2. Manuelles Aufwickeln über den Ellenbogen

Wer ein Kabel wie ein Seil über Hand und Ellenbogen aufwickelt, führt bei jeder Schlaufe eine bewusste Drehung aus dem Handgelenk aus.

  • Da das Kabel an einem Ende (der Trommel oder dem Gerät) fixiert ist, kann diese Drehung nicht entweichen.
  • Beim nächsten Auslegen versucht das Kabel, diese Drehung wieder loszuwerden, was zu den typischen Verdrehungen führt.

Die Lösung: Die „Over-Under“-Methode (Schlaufe normal legen, nächste Schlaufe gegengleich umschlagen) oder das Kabel locker in Achter-Schleifen am Boden auslegen.

3. Der "Gedächtnis-Effekt" (Materialgedächtnis)

Kabel bestehen aus Kupferadern, Isolierung und einem Außenmantel. Wenn ein Kabel lange Zeit eng auf einer Trommel gelagert wurde, „gewöhnt“ sich das Material an diese Krümmung.

  • Wenn die Temperatur schwankt (besonders bei Kälte), wird der Kunststoffmantel steif.
  • Beim Abrollen versucht das Kabel, in die gewohnte Ringform zurückzukehren, was bei Zugbelastung wie eine Verdrehung wirkt.

4. Fertigungsbedingter Drall

Schon bei der Herstellung werden die Adern im Inneren des Kabels miteinander verseilt (verdrillt). Wenn beim Aufwickeln im Werk nicht präzise gearbeitet wurde oder die Spannungen im Kabel ungleichmäßig sind, hat das Kabel einen „eingebauten“ Drall. Das merkt man daran, dass sich das Kabel schon beim ersten Auspacken kaum gerade hinlegen lässt.

5. Unterschiedliche Radien (Geometrie)

Ein Kabel hat eine gewisse Dicke. Die äußeren Fasern des Mantels legen beim Aufwickeln einen längeren Weg zurück als die inneren Fasern (die näher am Kern der Trommel liegen). Wenn das Kabel nicht perfekt flexibel ist oder beim Wickeln unter starkem Zug steht, verschieben sich die Schichten leicht gegeneinander. Beim Abrollen führt dieser Spannungsunterschied dazu, dass sich das Kabel eindreht, um die Spannung auszugleichen.


Zusammenfassung: Wie verhindert man das Verdrehen?

  1. Trommel drehen lassen: Niemals das Kabel über die Flanke der Trommel abziehen. Die Trommel muss rotieren.
  2. Kein Hand-über-Ellbogen: Kabel lieber in großen Ringen auf dem Boden auslegen oder die "Over-Under"-Technik nutzen.
  3. Drall „auslaufen“ lassen: Wenn ein Kabel verdreht ist, sollte man es komplett gerade auslegen und an einem Ende frei drehen lassen, damit die Torsion entweichen kann.
  4. Temperatur: Kalte Kabel vor dem Abrollen idealerweise etwas aufwärmen lassen, um die Flexibilität des Mantels zu erhöhen.
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