Was versteht man unter der Kapillarwasseraufnahme bei Putzmörteln?

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Unter der kapillaren Wasseraufnahme bei Putzmörteln versteht man die Eigenschaft des erhärteten Putzes, flüssiges Wasser (z. B. Regenwasser) durch die Saugkraft seiner Poren (Kapillaren) ins Innere aufzusaugen.

Hier sind die wichtigsten Details zum Verständnis:

1. Das physikalische Prinzip (Kapillarität)

Putzmörtel enthalten winzige Hohlräume und Kanäle, die sogenannten Kapillaren. Wenn die Oberfläche des Putzes mit Wasser in Kontakt kommt (z. B. bei Schlagregen), entsteht eine Saugspannung. Ähnlich wie bei einem Schwamm oder einem Zuckerwürfel, der in Kaffee getunkt wird, zieht der Putz das Wasser aktiv in sein Gefüge.

2. Der Wasseraufnahmekoeffizient ($w$-Wert)

Um die Kapillarwasseraufnahme messbar und vergleichbar zu machen, nutzt man den Wasseraufnahmekoeffizienten ($w$).

  • Einheit: $kg / (m^2 \cdot \sqrt{h})$ (Kilogramm pro Quadratmeter mal Wurzel aus der Zeit in Stunden).
  • Dieser Wert gibt an, wie viel Wasser eine definierte Putzfläche innerhalb einer bestimmten Zeit einsaugt.

3. Kategorien nach Norm (DIN EN 998-1)

Putzmörtel (insbesondere Außenputze) werden nach ihrer kapillaren Wasseraufnahme in drei Klassen eingeteilt:

  • $W_c 0$: Keine Anforderungen festgelegt (meist Innenputze).
  • $W_c 1$: Adsorptiv ($w \leq 0,40 \, kg/(m^2 \cdot \sqrt{h})$) – mäßige Wasseraufnahme.
  • $W_c 2$: Wasserabweisend ($w \leq 0,20 \, kg/(m^2 \cdot \sqrt{h})$) – geringe Wasseraufnahme, oft für Außenputze und Sockelbereiche vorgeschrieben.

4. Warum ist dieser Wert so wichtig?

Die Steuerung der Wasseraufnahme ist entscheidend für die Langlebigkeit eines Gebäudes:

  • Schutz vor Durchfeuchtung: Ein zu saugfähiger Außenputz würde bei Regen das Mauerwerk durchfeuchten, was die Dämmwirkung verschlechtert und zu Schimmelbildung im Innenraum führen kann.
  • Frostschutz: Wenn ein Putz viel Wasser aufsaugt und es dann gefriert, dehnt sich das Wasser aus und kann den Putz absprengen (Frostschäden).
  • Vermeidung von Algen und Pilzen: Ein Putz, der schnell abtrocknet und wenig Wasser aufnimmt, bietet Mikroorganismen weniger Lebensgrundlage.
  • Salztransport: Wasser transportiert gelöste Salze in den Putz. Wenn das Wasser verdunstet, kristallisieren die Salze und können das Gefüge zerstören (Bauschäden).

5. Wie wird die Wasseraufnahme beeinflusst?

Hersteller steuern die Kapillarwasseraufnahme durch:

  • Die Porenstruktur: Die Größe und Anzahl der Poren im Mörtel.
  • Hydrophobierung: Zugabe von wasserabweisenden Mitteln (z. B. Silikonen oder Stearaten) zum Mörtel, die die Oberflächenspannung in den Kapillaren verändern, sodass Wasser eher abgestoßen als eingesaugt wird.

Zusammenfassung

Die kapillare Wasseraufnahme beschreibt, wie stark ein Putz wie ein „Löschpapier“ wirkt. Bei Außenputzen strebt man in der Regel eine niedrige kapillare Wasseraufnahme ($W_c 2$) an, damit die Fassade trocken bleibt, aber gleichzeitig eine hohe Wasserdampfdiffusion (Atmungsaktivität) erhalten bleibt. Man spricht hier vom Prinzip: "Außen dicht (gegen flüssiges Wasser), aber offen (für Dampf)."