Was versteht man unter dem Begriff Abführmittel?
Unter dem Begriff Abführmittel (in der Medizin als Laxanzien bezeichnet) versteht man Substanzen, die den Stuhlgang fördern oder beschleunigen und die Darmentleerung erleichtern.
Sie werden vor allem zur Behandlung von Verstopfung (Obstipation) oder zur Entleerung des Darms vor medizinischen Untersuchungen (z. B. einer Darmspiegelung) oder Operationen eingesetzt.
Hier ist eine Übersicht über die Funktionsweise, die verschiedenen Arten und die Risiken:
1. Wie wirken Abführmittel?
Abführmittel setzen an verschiedenen Stellen im Verdauungsprozess an. Je nach Wirkstoffgruppe funktionieren sie nach unterschiedlichen Prinzipien:
- Quell- und Füllstoffe: Diese bestehen meist aus Ballaststoffen (z. B. Flohsamenschalen, Leinsamen). Sie binden Wasser im Darm, wodurch der Stuhl aufquillt. Der erhöhte Druck auf die Darmwand regt die natürliche Darmbewegung (Peristaltik) an. Wichtig: Dazu muss man sehr viel trinken!
- Osmotisch wirkende Mittel: Diese Stoffe (z. B. Macrogol, Bittersalz, Milchzucker) ziehen Wasser aus dem Körpergewebe in den Darm oder halten das Trinkwasser im Darm zurück. Der Stuhl wird dadurch weicher und das Volumen nimmt zu.
- Stimulierende Abführmittel: Diese Mittel (z. B. Bisacodyl, Natriumpicosulfat oder pflanzliche Mittel wie Sennesblätter) reizen die Darmwand direkt und regen so die Darmmuskulatur an, sich stärker zu bewegen. Zudem hemmen sie die Aufnahme von Wasser aus dem Darm in den Körper.
- Gleitmittel: Stoffe wie Paraffinöl (heute eher selten genutzt) machen den Stuhl „rutschiger“, ohne die Darmtätigkeit direkt zu beeinflussen.
2. Wann werden sie eingesetzt?
- Kurzfristige Verstopfung: Wenn die Verdauung durch Ernährungsumstellung, Reisen oder Stress stockt.
- Erkrankungen: Bei Hämorrhoiden oder nach Operationen, wenn ein starkes Pressen beim Stuhlgang vermieden werden muss.
- Diagnostik: Zur kompletten Reinigung des Darms vor einer Koloskopie (Darmspiegelung).
- Medikamentennebenwirkung: Manche Medikamente (z. B. starke Schmerzmittel/Opioide) führen zu chronischer Verstopfung, die medikamentös begleitet werden muss.
3. Mögliche Nebenwirkungen und Gefahren
Obwohl Abführmittel oft rezeptfrei erhältlich sind, ist ihre Anwendung nicht völlig risikofrei:
- Elektrolytmangel: Durch den beschleunigten Wasserverlust verliert der Körper wichtige Mineralstoffe, insbesondere Kalium. Ein Kaliummangel kann wiederum die Darmtätigkeit lähmen (ein Teufelskreis entsteht) und im schlimmsten Fall Herzrhythmusstörungen verursachen.
- Gewöhnungseffekt: Bei dauerhafter Anwendung von stimulierenden Mitteln kann der Darm „träge“ werden, sodass ohne Abführmittel gar nichts mehr geht.
- Flüssigkeitsverlust: Besonders bei älteren Menschen kann die Einnahme zu Dehydrierung führen.
- Bauchkrämpfe und Blähungen: Häufige Begleiterscheinungen, besonders bei einer Überdosierung.
4. Natürliche Alternativen
Bevor man zu Medikamenten greift, lassen sich leichte Verstopfungen oft natürlich lösen:
- Ballaststoffreiche Ernährung (Vollkornprodukte, Obst, Gemüse).
- Ausreichend Trinken (mindestens 1,5 bis 2 Liter Wasser am Tag).
- Regelmäßige Bewegung (regt die Darmperistaltik an).
- Hausmittel wie eingeweichte Trockenpflaumen oder Naturjoghurt.
Wichtiger Hinweis: Wenn Verstopfungen chronisch sind, Blut im Stuhl auftritt oder starke Schmerzen hinzukommen, sollte immer ein Arzt aufgesucht werden, um die Ursache zu klären.