Was sagt die Farbe des Olivenöls über dessen Qualität aus?
Die kurze Antwort lautet: Die Farbe sagt fast nichts über die Qualität eines Olivenöls aus.
Es ist ein weit verbreiteter Irrglaube, dass ein tiefgrünes Öl automatisch besser oder „naturbelassener“ ist als ein goldgelbes. Tatsächlich gibt die Farbe lediglich Aufschluss über den Erntezeitpunkt und die Olivensorte, aber nicht über die Güteklasse.
Hier sind die Details dazu:
1. Warum haben Olivenöle unterschiedliche Farben?
Die Farbe hängt hauptsächlich vom Chlorophyllgehalt und den Carotinoiden in den Oliven ab:
- Grünes Öl: Entsteht, wenn die Oliven sehr früh geerntet werden (unreife, grüne Oliven). Diese enthalten viel Chlorophyll. Geschmacklich sind diese Öle meist intensiv, grasig und scharf.
- Gelbes/Goldenes Öl: Entsteht, wenn die Oliven reifer geerntet werden (violette bis schwarze Oliven). Hier überwiegen die Carotinoide. Diese Öle schmecken oft milder, buttriger und reifer.
2. Warum Profis die Farbe ignorieren
Bei offiziellen Olivenöl-Verkostungen (Panels) verwenden die Prüfer spezielle blaue Verkostungsgläser.
- Der Grund: Die Farbe soll den Tester nicht beeinflussen. Ein schönes Smaragdgrün könnte psychologisch eine höhere Qualität suggerieren, obwohl das Öl ranzig sein könnte. Umgekehrt könnte ein blasses Gelb als „flach“ abgestempelt werden, obwohl es ein exzellentes Aroma besitzt.
3. Wann die Farbe doch ein Warnsignal sein kann
Obwohl die Grundfarbe (Grün oder Gelb) egal ist, gibt es farbliche Veränderungen, die auf Fehler hindeuten:
- Rötlicher Schimmer: Wenn ein Öl einen rötlichen oder orangefarbenen Stich bekommt, ist das meist ein Zeichen für Oxidation. Das Öl ist alt, wurde falsch gelagert (Licht/Wärme) und ist wahrscheinlich ranzig.
- Sehr helles, fast durchsichtiges Gelb: Dies kann auf ein stark raffiniertes (industriell verarbeitetes) Öl hindeuten, dem die natürlichen Farbstoffe entzogen wurden.
4. Vorsicht vor Betrug
Da viele Verbraucher glauben, dass grünes Öl besser ist, helfen manche Produzenten illegal nach. Es gibt Fälle, in denen minderwertiges Öl mit Chlorophyll oder E141 gefärbt wurde, um eine hohe Qualität vorzutäuschen. Ein extrem leuchtendes Grün ist also kein Garant für Reinheit.
Worauf sollten Sie stattdessen achten?
Wenn Sie die Qualität beurteilen wollen, verlassen Sie sich auf Ihre Sinne und das Etikett:
- Geruch: Es sollte frisch nach Gras, Tomate, Artischocke oder Kräutern riechen. Es darf niemals muffig oder metallisch riechen.
- Geschmack: Ein gutes „Nativ Extra“ Öl muss eine gewisse Fruchtigkeit, Bitterkeit und eine leichte Schärfe im Abgang (Kratzen im Hals) haben. Diese Merkmale stehen für gesunde Polyphenole (Antioxidantien).
- Etikett: Achten Sie auf die Güteklasse „Nativ Extra“ (oder Extra Virgin), das Erntejahr und idealerweise die genaue Herkunft (nicht nur „Mischung aus EU-Ländern“).
Fazit: Lassen Sie sich im Supermarkt oder beim Feinkosthändler nicht von der Farbe blenden. Ein goldgelbes Öl kann qualitativ genauso hochwertig und gesund sein wie ein knallgrünes. Es ist reine Geschmackssache!