Was passiert, wenn das Körpergewicht des Nutzers außerhalb des zulässigen Bereichs des Sicherungs-Sets liegt?

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Wenn das Körpergewicht eines Nutzers außerhalb des vom Hersteller angegebenen Bereichs für ein Klettersteigset (Sicherungs-Set) liegt, besteht im Falle eines Sturzes Lebensgefahr. Die Sicherheitseinrichtungen (der Bandfalldämpfer) können dann nicht mehr korrekt funktionieren.

Hier sind die spezifischen Folgen für beide Szenarien:

1. Nutzer ist zu LEICHT (meist unter 40 kg)

Dies betrifft häufig Kinder oder sehr zierliche Personen.

  • Das Problem: Der Bandfalldämpfer ist so konstruiert, dass er erst ab einer bestimmten Krafteinwirkung aufreißt. Ein geringes Körpergewicht erzeugt bei einem Sturz nicht genug Wucht, um diesen Mechanismus kontrolliert auszulösen.
  • Die Folge: Der Sturz wird nicht oder nur unzureichend gedämpft. Man spricht von einem „harten Fangstoß“. Die Energie des Sturzes wird fast ungefiltert auf den Körper des Kletterers und die Wirbelsäule übertragen.
  • Risiko: Schwere innere Verletzungen, Knochenbrüche oder Wirbelsäulenschäden, da der Körper die Bremsarbeit übernehmen muss, die eigentlich das Set leisten sollte.

2. Nutzer ist zu SCHWER (meist über 120 kg)

Dies betrifft Personen, deren Systemgewicht (Körper + Kleidung + schwerer Rucksack) das Limit überschreitet.

  • Das Problem: Die kinetische Energie, die bei einem Sturz entsteht, ist bei schwereren Personen deutlich höher. Der Bandfalldämpfer hat nur eine begrenzte Länge (den Bremsweg).
  • Die Folge: Der Bandfalldämpfer reißt bei einem Sturz komplett auf („schlägt durch“), bevor die gesamte Sturzenergie abgebaut ist. Wenn das Ende des Dämpfers erreicht ist, wirkt die verbleibende Restenergie ruckartig auf das Sicherungssystem.
  • Risiko:
    • Materialversagen: Karabiner, Nähte oder das Drahtseil der Verankerung können brechen.
    • Extremer Fangstoß: Auch hier kommt es am Ende des Bremswegs zu einer massiven Belastung des Körpers, was zu schwersten Verletzungen führen kann.
    • Bodenkontakt: Durch den komplett aufgerissenen Dämpfer wird der Bremsweg so lang, dass die Gefahr besteht, auf darunterliegende Felsvorsprünge oder den Boden aufzuprallen.

Wichtige Hintergrundinformationen:

  • Die Norm EN 958:2017: Moderne Klettersteigsets sind nach dieser Norm für einen Gewichtsbereich von 40 kg (ohne Gepäck) bis 120 kg (inkl. Ausrüstung/Gepäck) ausgelegt.
  • Alte Sets (vor 2017): Ältere Modelle waren oft nur für 50–100 kg ausgelegt. Diese sind für leichte Kinder oder schwere Erwachsene noch gefährlicher.

Was tun, wenn man außerhalb des Bereichs liegt?

  1. Für Kinder / Leichte Personen (< 40 kg): Sie müssen im Klettersteig zwingend von einer erfahrenen Person zusätzlich mit einem Kletterseil nachgesichert werden (ähnlich wie beim Alpinklettern). Das Klettersteigset dient hier oft nur als zusätzliche psychologische Stütze oder für Gehpassagen, aber nicht als alleinige Sturzsicherung.
  2. Für schwere Personen (> 120 kg): Hier ist extreme Vorsicht geboten. Es gibt kaum Sets auf dem Markt, die offiziell für mehr als 120 kg zertifiziert sind. Auch hier ist die einzige sichere Lösung das zusätzliche Nachsichern durch ein dynamisches Kletterseil von oben oder der Verzicht auf sehr schwierige (sturzgefährdete) Passagen.

Fazit: Die Gewichtsangaben auf dem Bandfalldämpfer sind keine Empfehlungen, sondern strikte Grenzwerte. Ein Sturz in ein Klettersteigset ist ohnehin ein Notfallszenario mit hohem Verletzungsrisiko – außerhalb des Gewichtsbereichs wird dieses Risiko unkalkulierbar.

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