Welche Anwendungsfehler führen bei der Montage eines Sicherungs-Sets zum Sicherheitsverlust?
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Bei der Montage und Verwendung eines Klettersteigsets (Sicherungs-Set) können bereits kleine Fehler lebensgefährliche Folgen haben. Die Sicherheit beruht darauf, dass das System im Falle eines Sturzes Energie durch den Bandfalldämpfer vernichtet. Wird dieses System umgangen oder falsch befestigt, droht Materialversagen oder ein Absturz.
Hier sind die kritischsten Anwendungsfehler:
1. Fehler bei der Befestigung am Gurt
- Falsche Schlaufe: Das Set wird an einer Materialschlaufe statt an der Einbindeschlaufe (Belay-Loop) befestigt. Materialschlaufen sind nur für geringe Lasten (meist 5–10 kg) ausgelegt und reißen bei einem Sturz sofort ab.
- Fehlerhafter Ankerstich: Der Ankerstich (die gängige Methode, um das Set am Gurt zu fixieren) wird nicht sauber festgezogen oder verdreht angebracht. Dies kann zu extremer Reibung und Schwächung des Materials führen.
- Zusätzliche Karabiner: Die Befestigung des Sets am Gurt mittels eines Karabiners (statt Ankerstich) ist gefährlich, da Karabiner bei Querbelastung oder Kantenbelastung brechen können.
2. Der „Kurzschluss“ (Überbrückung des Falldämpfers)
Dies ist einer der gefährlichsten Fehler überhaupt:
- Einhängen am Gurt: Ein Ast des Klettersteigsets wird am Drahtseil eingehängt, der andere Ast wird zur „Aufbewahrung“ direkt am Klettergurt (z. B. an einer Materialschlaufe oder am D-Ring) eingehängt.
- Die Folge: Bei einem Sturz kann der Bandfalldämpfer nicht aufreißen, weil er durch den zweiten Ast blockiert wird. Die gesamte Sturzenergie wirkt statisch auf den Körper und das Material – dies führt oft zum Bruch der Karabiner oder zu schwersten inneren Verletzungen.
3. Manipulation der Sicherungsarme
- Knoten in den Lastarmen: Manche Nutzer verkürzen die elastischen Arme durch Knoten. Knoten reduzieren die Bruchlast von Textilien massiv (bis zu 50 %). Zudem verändert es das Dehnungsverhalten im Sturzfall.
- Zusammenschließen der Karabiner: Das Ineinanderschleifen oder gegenseitige Einhängen der Karabiner während des Steigens macht das System funktionsunfähig.
4. Fehler während des Umhängens
- Gleichzeitiges Öffnen: Wenn beide Karabiner gleichzeitig vom Seil genommen werden (z. B. an einer Zwischensicherung), besteht für diesen Moment keinerlei Sicherung.
- Zu tiefes Einhängen: Wenn die Karabiner weit unterhalb des Körperschwerpunkts eingehängt werden, verlängert sich die potenzielle Sturzhöhe unnötig, was die Belastung auf den Bandfalldämpfer und den Körper maximiert.
5. Fehlende Rastschlinge
- Ausruhen im Set: Das Klettersteigset ist eine reine Notfallsicherung und nicht dafür gedacht, sich zum Ausruhen hineinzusetzen.
- Das Risiko: Wenn man sich ständig in das Set setzt, wird das Material (besonders die elastischen Arme) mürbe. Zudem könnte bei einer extremen Fehlbelastung der Bandfalldämpfer bereits leicht einreißen.
- Lösung: Für Pausen muss eine separate Rastschlinge (Bandschlinge mit eigenem Karabiner) verwendet werden, die direkt in die Einbindeschlaufe eingeknotet ist.
6. Verwendung veralteter oder beschädigter Ausrüstung
- Überalterung: Textilien altern durch UV-Strahlung und mechanischen Abrieb. Ein Klettersteigset sollte je nach Nutzungshäufigkeit nach 5 bis maximal 10 Jahren ausgetauscht werden.
- Nach einem Sturz: Ein Klettersteigset, bei dem der Bandfalldämpfer auch nur minimal aufgerissen ist, darf nie wieder verwendet werden.
- Veraltete Technik: Alte Sicherungssysteme (wie die Seilbremse mit Lochscheibe) sind bei geringem Körpergewicht (Kinder!) oft zu hart und lösen nicht zuverlässig aus. Heutiger Standard sind ausschließlich Bandfalldämpfer.
7. Kombination mit falscher Ausrüstung
- Fehlender Helm: Ein Sturz im Klettersteig führt oft zum Pendeln gegen den Fels. Ohne Helm sind Kopfverletzungen fast vorprogrammiert.
- Ungeeigneter Gurt: Die Verwendung eines reinen Brustgurtes ohne Sitzgurt führt bei einem Sturz zum sofortigen Risiko des Rückgratbruchs oder zum Hängen kopfüber.
Zusammenfassung: Der "Partnercheck"
Um diese Fehler zu vermeiden, ist der Partnercheck vor jedem Einstieg essenziell:
- Ist der Ankerstich korrekt in der Einbindeschlaufe?
- Ist der Gurt fest verschlossen?
- Ist der Bandfalldämpfer unbeschädigt (Originalzustand)?
- Sind die Karabiner voll funktionsfähig?
- Tragen alle Beteiligten einen Helm?