Was mache ich, wenn die externe Festplatte nach einem Sturz nicht mehr hochfährt?
Das ist eine kritische Situation, da externe Festplatten (besonders klassische HDDs mit rotierenden Scheiben) sehr empfindlich auf Erschütterungen reagieren. Wenn die Platte nach einem Sturz nicht mehr hochfährt, liegt meist ein mechanischer Defekt vor.
Hier ist eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, was du jetzt tun solltest – und was du auf keinen Fall tun darfst:
1. Die wichtigste Regel: Sofort Strom trennen!
Versuche nicht, die Festplatte immer wieder einzuschalten oder am Computer angesteckt zu lassen, um zu „schauen, ob sie doch noch geht“.
- Warum? Wenn die Schreib-/Leseköpfe verbogen sind oder auf den Datenscheiben aufliegen, kratzen sie bei jedem Startversuch die Magnetschicht ab. Das führt zu permanentem Datenverlust (Head-Crash).
2. Diagnose durch Hören (Nur einmalig kurz testen)
Schließe die Platte ein letztes Mal kurz an und höre genau hin:
- Klicken oder Klackern: Die Leseköpfe sind beschädigt und schlagen gegen den Begrenzer. Sofort abstecken!
- Piepen oder Summen: Der Motor versucht zu drehen, ist aber blockiert (evtl. hängen die Köpfe auf der Scheibe fest). Sofort abstecken!
- Kein Geräusch / Tot: Möglicherweise ist nur die Elektronik (Platine) oder der USB-Anschluss im Gehäuse defekt.
3. Die Entscheidung: Wie wichtig sind die Daten?
Fall A: Die Daten sind extrem wichtig (Bilder, Dokumente, Arbeit)
- Nichts selbst versuchen! Jeder DIY-Rettungsversuch verschlimmert den Schaden.
- Professionelle Datenrettung: Wende dich an Firmen wie Ontrack, Stellar oder lokale zertifizierte Datenretter.
- Kosten: Rechne mit 300 € bis 1.000 € (oder mehr), je nach Schaden. Eine Analyse ist oft für ca. 50–100 € machbar.
Fall B: Die Daten sind wichtig, aber du willst kein Geld für Profis ausgeben
Wenn du das Risiko eines Totalverlusts eingehst, kannst du folgendes prüfen:
- Anderes Kabel/Port: Teste ein anderes USB-Kabel und einen anderen USB-Port direkt am Mainboard (nicht am Hub).
- Gehäuse wechseln: Manchmal bricht beim Sturz nur die kleine Platine im Gehäuse (der USB-Adapter). Du kannst das Gehäuse vorsichtig öffnen, die interne Festplatte ausbauen und sie mit einem „SATA-zu-USB-Adapter“ oder direkt in einem PC testen.
- Achtung: Bei vielen modernen 2,5-Zoll-Platten (z. B. WD Elements) ist der USB-Anschluss direkt auf die Festplatten-Platine gelötet. Da hilft dieser Trick nicht.
4. Was du NIEMALS tun solltest (Mythen-Check)
- Die „Gefrierfach-Methode“: Leg die Platte nicht ins Eisfach. Das stammt aus Zeiten alter Festplatten mit Lagerschäden und verursacht heute meistens Kondenswasser-Schäden, die eine professionelle Rettung unmöglich machen.
- Aufschrauben: Öffne niemals das Metallgehäuse der Festplatte selbst. Ein einziges Staubkorn reicht aus, um die Daten zu zerstören. Das darf nur in einem Reinraum geschehen.
- Schütteln oder Klopfen: Das wird die mechanische Blockade nicht lösen, sondern die Scheiben zerkratzen.
Zusammenfassung
Wenn die Festplatte mechanische Geräusche macht (Klicken, Piepen), ist sie ein Fall für den Profi. Wenn sie absolut lautlos ist, könnte mit etwas Glück nur das Gehäuse/Kabel defekt sein.
Pro-Tipp für die Zukunft: Festplatten, die einmal gestürzt sind, solltest du niemals wieder für wichtige Daten verwenden, selbst wenn sie scheinbar wieder funktionieren. Sie sind ab jetzt unzuverlässig. Steige künftig eventuell auf eine SSD um, diese haben keine beweglichen Teile und überleben Stürze meist unbeschadet.