Was ist zu tun, wenn das Ohr nach der Anwendung von Ohrentropfen dauerhaft verstopft bleibt?
Es ist ein häufiges Phänomen, dass sich das Ohr nach der Anwendung von Ohrentropfen zunächst „verstopfter“ anfühlt als vorher. Das liegt meist daran, dass das vorhandene Ohrenschmalz (Cerumen) die Flüssigkeit aufsaugt und dadurch aufquillt.
Hier ist ein Leitfaden, was Sie tun sollten und was Sie unbedingt vermeiden müssen:
1. Nicht in Panik geraten (Der Quell-Effekt)
Wenn Sie Tropfen zum Lösen von Ohrenschmalz verwenden, ist das Verstopfungsgefühl oft ein Zeichen dafür, dass das Mittel wirkt. Das Schmalz wird weich und dehnt sich aus, wodurch der Gehörgang kurzzeitig komplett blockiert wird.
2. Sanfte Maßnahmen zur Selbsthilfe
- Schwerkraft nutzen: Legen Sie sich auf die Seite des betroffenen Ohres, damit die Flüssigkeit und das aufgeweichte Schmalz langsam heraussickern können. Ein Handtuch unterlegen!
- Pump-Bewegung: Ziehen Sie sanft an der Ohrmuschel (nach hinten und oben) und drücken Sie gleichzeitig leicht auf den kleinen Knorpel am Gehörgangseingang (Tragus). Dies kann helfen, Luftblasen zu lösen und den Abfluss zu erleichtern.
- Kauen und Gähnen: Kieferbewegungen können helfen, den Gehörgang zu bewegen und das Sekret zu lockern.
3. Was Sie UNBEDINGT vermeiden sollten
- Keine Wattestäbchen! Das ist der wichtigste Punkt. Wenn das Schmalz aufgequollen ist, schieben Sie es mit einem Wattestäbchen nur noch tiefer und pressen es wie einen Korken direkt vor das Trommelfell. Das kann zu Schmerzen und Entzündungen führen.
- Keine spitzen Gegenstände: Büroklammern, Haarnadeln oder ähnliches haben im Ohr nichts zu suchen. Verletzungsgefahr für den Gehörgang und das Trommelfell!
4. Wann zum Arzt (HNO-Arzt)?
Wenn das Ohr nach 24 bis 48 Stunden immer noch komplett dicht ist oder folgende Symptome auftreten, sollten Sie einen Termin beim Hals-Nasen-Ohren-Arzt vereinbaren:
- Schmerzen: Ein dumpfer Druck oder stechende Schmerzen.
- Juckreiz oder Brennen: Könnte auf eine allergische Reaktion oder eine Gehörgangsentzündung hindeuten.
- Schwindel: Wenn Flüssigkeit ans Trommelfell drückt oder das Gleichgewichtsorgan gereizt wird.
- Flüssigkeitsaustritt: Wenn gelbliche oder blutige Flüssigkeit aus dem Ohr läuft.
- Anhaltende Schwerhörigkeit: Wenn das „wattige“ Gefühl gar nicht verschwindet.
Warum der Arztbesuch sinnvoll ist
Ein HNO-Arzt kann das Ohr professionell reinigen. Er sieht mit dem Otoskop genau, wo das Problem liegt, und kann das aufgeweichte Schmalz mittels Absaugen oder einer professionellen Spülung schmerzfrei entfernen. Oft ist das Problem in wenigen Minuten gelöst.
Zusammenfassend: Wenn sanftes Neigen des Kopfes und Abwarten nichts bringen, ist der Gang zum HNO-Arzt der sicherste Weg, um eine Entzündung zu vermeiden und das Hörvermögen wiederherzustellen.
Hinweis: Diese Informationen dienen der allgemeinen Aufklärung und ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Behandlung.