Warum müssen Ohrentropfen vor der Anwendung handwarm sein?
Ohrentropfen sollten vor der Anwendung auf Körpertemperatur (handwarm) erwärmt werden, um unangenehme Nebenwirkungen zu vermeiden. Der Hauptgrund dafür liegt in der Anatomie unseres Ohres:
1. Reizung des Gleichgewichtsorgans (Kalorischer Reflex)
Im Innenohr, direkt hinter dem Gehörgang und dem Trommelfell, befindet sich das Gleichgewichtsorgan (Vestibularapparat). Dieses Organ reagiert sehr empfindlich auf Temperaturunterschiede.
Wenn kalte Flüssigkeit in den Gehörgang gelangt, kühlt sie das umliegende Gewebe und damit auch die Flüssigkeit im Bogengangsystem des Innenohrs ab. Diese Temperaturänderung verursacht eine Bewegung der Flüssigkeit im Gleichgewichtsorgan (ähnlich wie warme Luft aufsteigt und kalte sinkt). Das Gehirn erhält dadurch das Signal, dass der Körper sich bewegt oder dreht, obwohl man stillhält.
Die Folgen können sein:
- Starker Schwindel (Vertigo)
- Übelkeit
- Augenzittern (Nystagmus)
2. Schmerzvermeidung
Ein entzündeter Gehörgang ist oft extrem empfindlich und gereizt. Kalte Flüssigkeit auf einer entzündeten Stelle wird als stechender oder unangenehmer Schmerz wahrgenommen. Handwarme Tropfen hingegen werden als deutlich angenehmer empfunden.
3. Bessere Verteilung
Manche ölhaltigen Ohrentropfen sind bei Zimmertemperatur etwas zäher. Durch das Anwärmen werden sie flüssiger und können besser in den Gehörgang eindringen und ihre Wirkstoffe gleichmäßiger verteilen.
Wie man Ohrentropfen richtig anwärmt:
- In der Hand halten: Es reicht völlig aus, das Fläschchen für 2 bis 5 Minuten in der geschlossenen Hand zu halten oder es in die Hosentasche zu stecken.
- Nicht zu heiß: Die Tropfen dürfen niemals in der Mikrowelle oder in kochendem Wasser erhitzt werden, da sie sonst zu heiß werden könnten (Verbrennungsgefahr) oder die Wirkstoffe zerstört werden.
- Test: Ein Tropfen auf den Handrücken zeigt, ob die Temperatur angenehm ist.
Zusammenfassend: Das Anwärmen verhindert vor allem, dass Ihnen nach der Anwendung schwindelig oder übel wird.