Was ist historisch gesehen die ältere Sorte: Schokoladeneis oder Vanilleeis?

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Historisch gesehen ist Schokoladeneis die ältere Sorte.

Das mag überraschend klingen, da Vanille heute oft als der „Standard“ oder die Basis für Speiseeis angesehen wird. Doch die Chronologie der Rezepte sagt etwas anderes:

1. Schokoladeneis (Ende des 17. Jahrhunderts)

Das erste gedruckte Rezept für Schokoladeneis findet sich in dem Buch Lo Scalco alla Moderna von Antonio Latini, das 1692 in Neapel veröffentlicht wurde. Zu dieser Zeit waren gefrorene Desserts (damals eher Sorbet-artig oder „Granita“) in Italien bereits beliebt. Da Schokolade (als Getränk) damals ein Luxusgut war, wurde sie frühzeitig mit gefrorenem Zucker und Wasser (oder Milch) kombiniert.

2. Vanilleeis (Mitte des 18. Jahrhunderts)

Obwohl die Vanillepflanze zur gleichen Zeit wie der Kakao aus Amerika nach Europa kam, wurde sie lange Zeit primär als Duftstoff oder als Gewürz für Trinkschokolade verwendet. Das erste bekannte Rezept für reines Vanilleeis erschien erst deutlich später, nämlich im Jahr 1768 in dem französischen Kochbuch L'Art de bien faire les glaces d'office von M. Emy.

Warum war Schokolade früher dran?

Der Grund liegt in der kulinarischen Geschichte:

  • Schokolade war bereits im 17. Jahrhundert in Adelskreisen als Modegetränk etabliert. Man fror dieses Getränk einfach ein.
  • Vanille war extrem teuer und schwierig zu verarbeiten. Erst als man im 19. Jahrhundert entdeckte, wie man Vanillepflanzen künstlich bestäubt, wurde sie massentauglicher.

Zusammenfassend: Schokoladeneis wurde etwa 70 bis 80 Jahre vor dem Vanilleeis schriftlich festgehalten. Bevor es Vanille- oder Schokoladeneis gab, waren übrigens Fruchtsorten (wie Zitrone oder Erdbeere) und Eis mit Blumenaromen (wie Rosenwasser oder Orangenblüten) die verbreitetsten Varianten.