Was ist eine Fehlprägung oder ein Druckfehler im Zusammenhang mit Briefmarken?

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In der Philatelie (Briefmarkenkunde) versteht man unter Fehlprägungen oder Druckfehlern Abweichungen vom beabsichtigten Erscheinungsbild einer Briefmarke, die während des Herstellungsprozesses entstehen.

Während der Begriff „Fehlprägung“ eigentlich aus der Münzkunde stammt, wird er bei Briefmarken meist nur dann verwendet, wenn es sich um Marken mit Reliefprägung handelt. Fachsprachlich spricht man bei Briefmarken eher von Abarten oder Druckzufällen.

Hier sind die wichtigsten Kategorien dieser Fehler:

1. Druckfehler (Abarten im Druck)

Dies sind die häufigsten und oft wertvollsten Fehler. Sie entstehen direkt beim Auftragen der Farbe:

  • Farbenfehldrucke: Eine Farbe fehlt komplett (z. B. weil ein Farbtank leer war) oder es wurde eine völlig falsche Farbe verwendet.
  • Kehrdrucke / Kopfsteher: Ein Teil des Motivs steht Kopf. Das passiert meist, wenn der Bogen für einen zweiten Druckgang (z. B. für das Mittelbild oder den Wertaufdruck) falsch herum in die Maschine eingelegt wurde. Berühmtestes Beispiel: Die „Inverted Jenny“ aus den USA.
  • Doppeldrucke: Die Marke wurde zweimal bedruckt, wodurch das Bild schattig oder leicht versetzt erscheint.
  • Plattenfehler: Ein Kratzer oder ein winziger Fremdkörper auf der Druckplatte sorgt dafür, dass auf jedem Bogen an der gleichen Stelle derselbe Fehler auftritt (z. B. ein Punkt im Gesicht einer Person).

2. Zähnungsfehler

Hierbei geht es um die Löcher am Rand der Briefmarke, die das Abtrennen erleichtern:

  • Ungezähnte Marken: Die Marken wurden im Bogen gedruckt, aber die Zähnungsmaschine wurde übersprungen.
  • Versetzte Zähnung: Die Löcher verlaufen mitten durch das Motiv statt am Rand.
  • Doppelzähnung: Eine Seite der Marke wurde zweimal gelocht.

3. Entwurfsfehler (Sinnfehler)

Diese Fehler passieren schon vor dem Druck im Designstadium. Sie betreffen meist die gesamte Auflage, es sei denn, sie werden vorzeitig bemerkt und gestoppt:

  • Rechtschreibfehler: Namen von Orten oder Personen sind falsch geschrieben.
  • Sinnfehler: Ein historisches Datum ist falsch, oder ein Tier wird auf einem Kontinent dargestellt, auf dem es gar nicht vorkommt.
  • Beispiel: Die berühmte „Gronchi Rosa“ aus Italien (1961), auf der die Grenzen von Peru falsch eingezeichnet waren.

4. Papier- und Gummierungsfehler

  • Wasserzeichenfehler: Das Wasserzeichen steht Kopf oder ist seitenverkehrt.
  • Papierfehler: Es wurde auf der falschen Seite des Papiers gedruckt oder auf Papier, das eigentlich für eine andere Marke vorgesehen war.

Warum sind diese Fehler so begehrt?

In der modernen Produktion werden Briefmarken streng kontrolliert. Fehlerhafte Bögen werden normalerweise aussortiert und vernichtet. Wenn doch einmal ein solcher Bogen „durchrutscht“ und an den Postschalter gelangt, ist die Anzahl der existierenden Stücke extrem gering.

Wichtig für Sammler: Man unterscheidet zwischen einer echten Abart (systematischer Fehler, oft wertvoll) und einem bloßen Druckzufall (einmaliger kleiner Farbspritzer oder Putzen auf der Platte, meist weniger wertvoll).

Die berühmteste Fehlprägung (im weiteren Sinne): Die „Blaue Mauritius“. Sie ist eigentlich ein „Entwurfsfehler“. Statt „Post Paid“ (Porto bezahlt) gravierte der Graveur „Post Office“ auf die Platte. Dies wurde erst nach dem Druck der ersten 500 Stück bemerkt.