Was ist der technische Unterschied zwischen einer spiegellosen Systemkamera (DSLM) und einer Spiegelreflexkamera (DSLR)?
Melden
Der entscheidende technische Unterschied zwischen einer DSLR (Digital Single-Lens Reflex) und einer DSLM (Digital Single-Lens Mirrorless) liegt bereits im Namen: Es ist der Spiegel.
Hier ist eine detaillierte Gegenüberstellung der technischen Unterschiede:
1. Der optische Pfad und der Sucher
- DSLR (Spiegelreflex): Das Licht tritt durch das Objektiv ein und trifft auf einen mechanischen Spiegel. Dieser leitet das Licht nach oben durch ein Prisma (Pentaprisma) in den optischen Sucher. Du siehst also das echte, analoge Bild durch die Linse. Wenn du den Auslöser drückst, klappt der Spiegel hoch, und das Licht fällt erst in diesem Moment auf den Bildsensor.
- DSLM (Spiegellos): Es gibt keinen Spiegel und kein Prisma. Das Licht fällt permanent direkt auf den Sensor. Das Bild wird digital verarbeitet und auf einem kleinen Display im elektronischen Sucher (EVF) oder auf dem rückwärtigen Monitor angezeigt.
2. Autofokus-Systeme
- DSLR: Nutzt für die Fotografie meist einen separaten Phasendetektions-Sensor, der unter dem Spiegel sitzt. Dieser ist extrem schnell, funktioniert aber nur, wenn der Spiegel unten ist. Im Video-Modus oder Live-View (Spiegel oben) muss die Kamera oft auf den langsameren Kontrast-Autofokus zurückgreifen.
- DSLM: Die Autofokus-Sensoren (meist eine Kombination aus Phasen- und Kontrastmessung) sind direkt auf dem Bildsensor integriert. Das ermöglicht eine präzisere Verfolgung von Objekten über das gesamte Bildfeld sowie moderne Funktionen wie Augen-Autofokus (Mensch/Tier) in Echtzeit – sowohl beim Fotografieren als auch beim Filmen.
3. Baugröße und Gewicht
- DSLR: Wegen des Spiegelkastens und des Glasprismas sind diese Kameras meist bulliger und schwerer.
- DSLM: Da der Spiegelmechanismus fehlt, können die Gehäuse deutlich kompakter und leichter gebaut werden. Auch das "Auflagemaß" (Abstand zwischen Objektivanschluss und Sensor) ist geringer, was oft kompaktere Objektivkonstruktionen ermöglicht.
4. Verschluss und Geschwindigkeit
- DSLR: Ist durch die Mechanik limitiert. Der Spiegel muss physikalisch hoch- und runterklappen. Das begrenzt die Serienbildgeschwindigkeit (meist auf ca. 10–14 Bilder pro Sekunde) und verursacht ein lautes Geräusch.
- DSLM: Kann einen elektronischen Verschluss nutzen (einfach das Auslesen des Sensors). Dadurch sind extrem hohe Serienbildgeschwindigkeiten (bis zu 30 oder 120 Bilder pro Sekunde) und völlig lautloses Fotografieren möglich.
5. Akkulaufzeit
- DSLR: Der optische Sucher verbraucht keinen Strom. Eine DSLR kann im Standby-Modus tagelang eingeschaltet bleiben und mit einer Akkuladung oft über 1.000 Fotos machen.
- DSLM: Da der Sensor und das digitale Display im Sucher permanent Strom benötigen, ist der Energieverbrauch deutlich höher. Die Akkulaufzeit ist meist spürbar kürzer (oft nur 300–600 Fotos pro Ladung), wobei moderne Modelle hier stark aufholen.
6. Was du siehst (WYSIWYG)
- DSLR: Du siehst die Realität. Wie das Foto am Ende belichtet sein wird (hell/dunkel), siehst du erst, nachdem du es aufgenommen hast.
- DSLM: Du siehst das fertige Bild vorab ("What You See Is What You Get"). Wenn du die Belichtung änderst, siehst du sofort im Sucher, wie das Bild dunkler oder heller wird. Auch Histogramme oder Fokus-Peaking (Einfärben der scharfen Bereiche) können direkt eingeblendet werden.
Zusammenfassung: Wer gewinnt?
Die Industrie hat sich fast vollständig in Richtung DSLM bewegt. Sony, Canon und Nikon konzentrieren ihre Entwicklung fast nur noch auf spiegellose Systeme, da sie technisch überlegen sind (besserer Autofokus, schnellere Bildfolgen, bessere Videoeigenschaften). Die DSLR bleibt jedoch beliebt bei Fotografen, die den klaren optischen Sucher bevorzugen oder sehr lange Akkulaufzeiten benötigen.