Was ist der sogenannte „Memory-Effekt“?
Unter dem Memory-Effekt (Gedächtniseffekt) versteht man einen Kapazitätsverlust bei bestimmten Akkutypen, der auftritt, wenn diese wiederholt nur teilentladen werden, bevor man sie erneut auflädt.
Hier ist die einfache Erklärung, wie er entsteht, welche Akkus betroffen sind und warum er heute kaum noch eine Rolle spielt:
1. Wie funktioniert der Memory-Effekt?
Wenn ein Akku immer nur bis zu einem gewissen Grad entladen wird (z. B. nur bis 50 %) und dann wieder voll aufgeladen wird, „merkt“ sich der Akku diesen Ladestand.
- Der chemische Vorgang: Im Inneren des Akkus bilden sich an den Elektroden winzige Kristalle. Wenn der Akku nie ganz entleert wird, werden diese Kristalle mit der Zeit größer.
- Die Folge: Durch die größeren Kristalle sinkt die abgegebene Spannung des Akkus vorzeitig ab. Das Gerät (z. B. eine Kamera oder ein Akkuschrauber) denkt dann, der Akku sei leer, obwohl chemisch gesehen noch Energie vorhanden wäre. Die nutzbare Kapazität schrumpft also.
2. Welche Akkus sind betroffen?
- Nickel-Cadmium-Akkus (NiCd): Dies ist der klassische Typ, bei dem der Memory-Effekt sehr stark ausgeprägt ist. Diese Akkus sind heute in der EU (außer für Spezialanwendungen) aufgrund ihrer Giftigkeit verboten.
- Nickel-Metallhydrid-Akkus (NiMH): Diese zeigen einen ähnlichen, aber deutlich schwächeren Effekt, der oft als „Lazy-Battery-Effekt“ bezeichnet wird. Er ist meist durch mehrmaliges vollständiges Laden und Entladen wieder umkehrbar.
3. Warum spielt er heute fast keine Rolle mehr?
Die meisten modernen Geräte (Smartphones, Laptops, E-Bikes, moderne Akkuschrauber) nutzen Lithium-Ionen-Akkus (Li-Ion).
- Lithium-Ionen-Akkus haben keinen Memory-Effekt.
- Im Gegenteil: Es ist für Li-Ion-Akkus sogar schädlich, sie komplett auf 0 % zu entladen („Tiefentladung“). Sie fühlen sich am wohlsten, wenn sie im Bereich zwischen 20 % und 80 % Ladung gehalten werden. Kurze Zwischenladungen schaden ihnen nicht.
4. Was kann man gegen den Memory-Effekt tun?
Falls Sie noch alte Geräte mit NiCd- oder NiMH-Akkus besitzen:
- Vollständig entladen: Benutzen Sie das Gerät, bis es von selbst abschaltet (aber nicht darüber hinaus lagern, um Tiefentladung zu vermeiden).
- Vollständig aufladen: Laden Sie den Akku in einem Rutsch voll auf.
- Regeneration: Bei NiMH-Akkus kann ein hochwertiges Ladegerät mit „Refresh-Funktion“ helfen, die Kristalle durch gezielte Lade-Entlade-Zyklen wieder abzubauen.
Zusammenfassung
Der Memory-Effekt war ein großes Problem in den 80er und 90er Jahren. Bei modernen Smartphones und Laptops mit Lithium-Akkus gibt es ihn nicht. Hier ist es sogar besser, den Akku öfter mal zwischendurch zu laden, anstatt ihn ganz leerlaufen zu lassen.