Was ist der physikalische Hauptunterschied zwischen Kriechöl und einem herkömmlichen Motorenöl?
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Der physikalische Hauptunterschied zwischen Kriechöl (wie z. B. WD-40, Caramba) und einem herkömmlichen Motorenöl liegt in der Kombination aus extrem niedriger Viskosität und minimaler Oberflächenspannung.
Hier sind die Details der Unterschiede:
1. Die Viskosität (Zähflüssigkeit)
- Kriechöl: Ist extrem dünnflüssig. Das Ziel ist es, in mikroskopisch kleine Spalten, Rostporen oder Gewindegänge einzudringen. Es muss fließen wie Wasser (oder sogar noch besser), um die Kapillarwirkung optimal zu nutzen.
- Motorenöl: Ist deutlich dickflüssiger. Seine Hauptaufgabe ist es, einen stabilen, belastbaren Schmierfilm zwischen Metallteilen aufzubauen, der auch unter hohem Druck und Hitze nicht abreißt.
2. Die Oberflächenspannung (und Grenzflächenspannung)
Dies ist der entscheidende Faktor für den "Kriecheffekt":
- Kriechöl: Hat eine sehr geringe Oberflächenspannung. Dadurch "benetzt" es Oberflächen extrem stark. Anstatt Tropfen zu bilden (wie Wasser auf einer gewachsten Fläche), breitet es sich flach aus und zieht sich durch die Kapillarwirkung selbstständig in engste Zwischenräume hinein – sogar entgegen der Schwerkraft nach oben.
- Motorenöl: Hat eine höhere Oberflächenspannung. Es soll dort bleiben, wo es aufgetragen wurde, und eine schützende Schicht bilden, anstatt sofort in jede Ritze wegzufließen oder vom Bauteil zu tropfen.
3. Die Additive und Zusammensetzung
- Kriechöl: Besteht oft zu einem großen Teil aus flüchtigen Lösungsmitteln. Diese helfen dabei, verharzte Fette oder Rost zu unterwandern und anzulösen. Nach der Anwendung verflüchtigen sich diese Lösungsmittel oft teilweise.
- Motorenöl: Enthält Additive für extreme Hitze (Temperaturstabilität), zur Reinigung (Detergentien) und zum Schutz vor Säuren. Es ist darauf ausgelegt, über Tausende von Kilometern chemisch stabil zu bleiben.
Zusammenfassung der Wirkung
- Kriechöl ist ein "Problemlöser": Es dringt überall ein, verdrängt Feuchtigkeit und löst festsitzende Verbindungen. Als dauerhaftes Schmiermittel ist es jedoch ungeeignet, da der dünne Film bei Belastung sofort weggedrückt wird.
- Motorenöl ist ein "Dauerschmierstoff": Es ist für mechanische Last und Hitze optimiert, kann aber aufgrund seiner Zähigkeit nicht in festgerostete Schraubengewinde eindringen.
Ein einfacher Vergleich: Kriechöl verhält sich wie ein sehr flüchtiges Kerosin, das überall "hineinkriecht", während Motorenöl eher wie ein flüssiges Polster wirkt, das die Metallteile auf Abstand hält.