Warum ist Kriechöl trotz seiner schmierenden Eigenschaften oft nicht für die dauerhafte Schmierung von Maschinenteilen geeignet?
Kriechöl (wie z. B. WD-40 Classic, Caramba oder Rostlöser) ist ein hervorragender „Problemlöser“, aber ein schlechtes Langzeit-Schmiermittel. Dass es für die dauerhafte Schmierung von Maschinenteilen oft ungeeignet ist, liegt an seiner chemischen Zusammensetzung und seinen physikalischen Eigenschaften.
Hier sind die Hauptgründe:
1. Geringe Viskosität und dünner Schmierfilm
Kriechöle sind extrem dünnflüssig (niedrige Viskosität), damit sie in kleinste Spalten und Kapillaren eindringen können (daher der Name). Dieser Vorteil ist bei der Schmierung ein Nachteil: Der Ölfilm ist so dünn, dass er unter mechanischer Belastung oder bei hohen Druckkräften sofort abreißt. Metall reibt dann auf Metall, was zu schnellem Verschleiß führt.
2. Hoher Anteil an flüchtigen Lösungsmitteln
Ein Großteil vieler Kriechöle besteht aus Lösungsmitteln (wie Petroleum), die dazu dienen, Rost zu unterwandern und das Öl fließfähig zu machen. Diese Lösungsmittel verdunsten nach der Anwendung relativ schnell. Übrig bleibt nur ein minimaler Rest an Schmierstoff, der für eine dauerhafte Schmierung nicht ausreicht.
3. Die „Waschwirkung“ (Lösung von vorhandenem Fett)
Dies ist einer der gefährlichsten Aspekte für Maschinen: Wenn man Kriechöl auf ein Bauteil gibt, das bereits mit einem hochwertigen Langzeitfett geschmiert ist (z. B. ein Kugellager oder eine Fahrradkette), wirkt das Kriechöl als Lösungsmittel. Es verdünnt und verdrängt das zähe, schützende Fett und spült es aus den Lagerstellen heraus. Sobald das Kriechöl verdunstet ist, ist das Bauteil praktisch „trocken“ und ungeschützt.
4. Mangelnde Druckbeständigkeit (EP-Eigenschaften)
Maschinenteile, die hohe Lasten tragen müssen, benötigen Schmierstoffe mit sogenannten „Extreme Pressure“ (EP)-Additiven. Kriechöle besitzen diese Zusätze in der Regel nicht. Sie können die hohen Scherkräfte in Zahnrädern oder Lagern nicht abfangen.
5. Anziehung von Schmutz und Staub
Obwohl Kriechöle dünn sind, hinterlassen sie oft einen leicht klebrigen Film, solange sie noch nicht vollständig verflogen sind. Dieser Film bindet Staub und Schmutz aus der Umgebung. Es entsteht eine Art „Schmirgelpaste“, die den Verschleiß der Maschinenteile eher beschleunigt als verhindert.
6. Fehlender Korrosionsschutz auf Dauer
Kriechöl verdrängt zwar kurzfristig Wasser, bietet aber aufgrund der schnellen Verdunstung und des dünnen Films keinen dauerhaften Schutz gegen Feuchtigkeit und Sauerstoff. Ein echtes Schmierfett oder Haftöl bildet eine dicke Barriere, die über Monate oder Jahre hält – Kriechöl oft nur für wenige Tage oder Wochen.
Zusammenfassung: Wann nutzt man was?
- Kriechöl: Zum Lösen von festgerosteten Schrauben, zum Reinigen von Oberflächen, zum Verdrängen von Feuchtigkeit (z. B. bei Zündkerzen) oder zum kurzzeitigen Gängigmachen von klemmenden Schlössern.
- Langzeit-Schmiermittel (Fette, Haftöle, Silikonsprays): Für alles, was sich dauerhaft bewegt, unter Last steht oder dauerhaft vor Witterung geschützt werden muss (Ketten, Lager, Gelenke, Führungsschienen).
Faustregel: Kriechöl ist zum Lösen da, Fett und dickflüssiges Öl sind zum Schmieren da.