Was ist das zentrale Konzept der fiktiven Wissenschaft „Psychohistorik“?

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Das zentrale Konzept der Psychohistorik (englisch: Psychohistory) stammt aus dem Foundation-Zyklus des Science-Fiction-Autors Isaac Asimov. Es handelt sich dabei um eine fiktive Wissenschaft, die Geschichte, Soziologie und mathematische Statistik kombiniert, um die Zukunft großer Menschenmassen vorherzusagen.

Hier sind die entscheidenden Säulen dieses Konzepts:

1. Die Analogie zur Thermodynamik (Gasgesetze)

Asimov entlehnte die Grundidee der statistischen Mechanik. So wie man die Bewegung eines einzelnen Gasmoleküls nicht vorhersagen kann, wohl aber das Verhalten des gesamten Gases (Druck, Temperatur, Volumen), so kann die Psychohistorik nicht das Schicksal eines einzelnen Individuums berechnen, wohl aber die Entwicklung einer gesamten Gesellschaft.

2. Die zwei Grundvoraussetzungen (Axiome)

Damit die Psychohistorik funktioniert, müssen laut der Erzählung zwei Bedingungen erfüllt sein:

  • Die Größe der Bevölkerung: Die untersuchte Gruppe muss groß genug sein, um statistisch signifikant zu sein (im Roman betrifft dies die gesamte Menschheit der Galaxis mit Billionen von Bewohnern).
  • Unwissenheit der Betroffenen: Die Menschen dürfen nicht wissen, dass ihr Verhalten vorhergesagt wird. Wenn eine Gesellschaft ihre eigene Zukunft kennt, würde sie ihr Handeln anpassen, was die mathematischen Berechnungen ungültig machen würde (eine Art soziologischer Heisenberg-Effekt).

3. Das Ziel: Den "Seldon-Plan"

Die Psychohistorik wurde in der Fiktion von der Figur Hari Seldon entwickelt. Seldon erkennt mit Hilfe seiner Mathematik, dass das Galaktische Imperium unaufhaltsam zerfällt. Er nutzt die Psychohistorik nicht nur, um diesen Zerfall vorherzusagen, sondern um einen Plan zu entwerfen, der die darauffolgende Zeit der Barbarei (das "Interregnum") von geplanten 30.000 Jahren auf lediglich 1.000 Jahre verkürzt.

4. Die Grenzen (und die Handlungskonflikte)

Ein wesentlicher Teil von Asimovs Geschichten dreht sich um die Schwächen der Psychohistorik:

  • Individuelle Genies oder Mutanten: Da die Wissenschaft auf Massenstatistik basiert, können extrem einflussreiche Einzelpersonen (wie der Antagonist "Das Maultier" / The Mule) den Plan völlig aus der Bahn werfen, weil sie mathematisch "Ausreißer" sind.
  • Unvorhersehbare technologische Sprünge: Plötzliche, radikale Neuerungen können die soziologische Dynamik verändern.

Zusammenfassung

Das zentrale Konzept ist der mathematische Determinismus auf gesellschaftlicher Ebene: Die Annahme, dass die Geschichte der Menschheit kein Zufallsprodukt ist, sondern festen mathematischen Gesetzen folgt, die man berechnen und – in begrenztem Maße – steuern kann, solange man die Masse der Menschen als statistische Einheit betrachtet.