Was genau verbirgt sich hinter dem Toxischen Schocksyndrom (TSS) und in welchem Zusammenhang steht es zur Tamponnutzung?
Das Toxische Schocksyndrom (TSS) – oft auch als „Tampon-Krankheit“ bezeichnet – ist eine seltene, aber sehr ernstzunehmende und potenziell lebensbedrohliche Erkrankung. Sie wird durch Giftstoffe (Toxine) verursacht, die von bestimmten Bakterien ausgeschieden werden.
Hier ist eine detaillierte Aufschlüsselung, was genau dahintersteckt und wie die Verbindung zur Tamponnutzung zustande kommt:
1. Was genau ist TSS?
TSS ist keine Infektion im herkömmlichen Sinne, bei der sich die Bakterien im Körper ausbreiten, sondern eine schwere Vergiftungsreaktion.
- Verursacher: Meistens handelt es sich um das Bakterium Staphylococcus aureus (Staphylokokken), seltener um Streptococcus pyogenes.
- Der Mechanismus: Diese Bakterien kommen bei vielen Menschen ganz natürlich auf der Haut oder im Schleimhautbereich (auch in der Vagina) vor, ohne Probleme zu bereiten. Unter bestimmten Bedingungen vermehren sie sich jedoch schlagartig und produzieren Gifte (sogenannte Superantigene). Wenn diese Gifte in die Blutbahn gelangen, löst das Immunsystem eine extreme Überreaktion aus. Dies kann zu Organversagen und einem lebensgefährlichen Blutdruckabfall (Schock) führen.
2. Der Zusammenhang mit der Tamponnutzung
Obwohl TSS auch bei Männern, Kindern und nicht-menstruierenden Frauen vorkommen kann (z. B. durch Wundinfektionen), steht es historisch und statistisch oft im Zusammenhang mit der Menstruation.
Warum fördern Tampons TSS?
- Nährboden: Blut ist ein idealer Nährboden für Bakterien. Wenn ein Tampon lange im Körper verbleibt, bietet er den Staphylokokken Zeit und Raum, sich massiv zu vermehren.
- Sauerstoffzufuhr: Staphylococcus aureus produziert die gefährlichen Toxine vor allem dann, wenn Sauerstoff vorhanden ist. Das Einführen eines trockenen Tampons kann Luft (und damit Sauerstoff) in die Vagina befördern.
- Mikroverletzungen: Hochsaugfähige Tampons können die Vaginalschleimhaut austrocknen. Beim Entfernen des Tampons können kleinste Risse in der Schleimhaut entstehen, die als Eintrittspforte für die Bakteriengifte in die Blutbahn dienen.
- Saugfähigkeit: In den 1980er Jahren gab es eine Welle von TSS-Fällen, die mit extrem saugstarken Tampons (aus synthetischen Materialien) in Verbindung gebracht wurden. Diese wurden daraufhin vom Markt genommen.
3. Symptome: Worauf muss man achten?
TSS entwickelt sich meistens sehr schnell (innerhalb weniger Stunden). Die Symptome ähneln anfangs einer schweren Grippe:
- Plötzliches, sehr hohes Fieber (> 39 °C).
- Blutdruckabfall (Schwindel, Ohnmacht, Benommenheit).
- Ein sonnenbrandähnlicher Ausschlag (Hautrötung), oft an Handflächen oder Fußsohlen.
- Muskelschmerzen, Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall.
- Rötung der Schleimhäute (Rachen, Augen, Vagina).
4. Prävention: So minimiert man das Risiko
Man muss wegen TSS nicht auf Tampons verzichten, sollte sie aber verantwortungsbewusst nutzen:
- Hände waschen: Vor und nach dem Einführen des Tampons gründlich die Hände waschen.
- Saugstärke anpassen: Immer die kleinste Tampongröße wählen, die für die Stärke der Blutung ausreicht.
- Regelmäßig wechseln: Tampons sollten alle 4 bis 8 Stunden gewechselt werden.
- Abwechseln: Nachts oder an schwächeren Tagen öfter mal eine Binde oder eine Menstruationstasse verwenden (wobei auch bei Menstruationstassen theoretisch ein TSS-Risiko besteht, wenn sie zu lange getragen werden).
- Beipackzettel lesen: Die Hersteller sind verpflichtet, über TSS aufzuklären – die Informationen liegen jeder Packung bei.
5. Was tun im Verdachtsfall?
Wenn während der Periode bei der Nutzung eines Tampons die oben genannten Symptome (insbesondere hohes Fieber und Schwindel) auftreten:
- Sofort den Tampon entfernen!
- Umgehend einen Arzt oder ein Krankenhaus aufsuchen.
- Hinweisen, dass man gerade seine Periode hat und einen Tampon benutzt hat.
Fazit: TSS ist heute dank verbesserter Materialien und besserer Aufklärung extrem selten geworden (ca. 0,5 bis 1 Fall auf 100.000 Frauen pro Jahr). Dennoch ist es wichtig, die Warnzeichen zu kennen, da eine schnelle Behandlung mit Antibiotika und Intensivmedizin die Heilungschancen massiv erhöht.