Warum wurde Popcorn zum klassischen Snack in Kinos?
Die Geschichte, wie Popcorn zum Standard-Snack im Kino wurde, ist eine faszinierende Mischung aus Wirtschaftskrise, technischem Fortschritt und purem Überlebensinstinkt der Kinobetreiber.
Hier sind die wichtigsten Gründe für diesen Erfolgsweg:
1. Die Barriere am Anfang: Kinos wollten „nobel“ sein
In der Anfangszeit des Kinos (der Stummfilmzeit) war Popcorn in den Sälen streng verboten. Die Kinobetreiber orientierten sich an Theatern: Sie hatten teure Teppiche und edle Polstermöbel. Man wollte ein gebildetes, wohlhabendes Publikum ansprechen, das während des Films nicht durch lautes Kauen oder Krümel gestört werden sollte. Da man für Stummfilme lesen können musste (Zwischentitel), war das Publikum ohnehin eher gebildet.
2. Die Weltwirtschaftskrise (ab 1929)
Der entscheidende Wendepunkt war die „Great Depression“. Popcorn war extrem billig herzustellen (ein Sack Mais kostete fast nichts). Für die Menschen, die kaum Geld hatten, war Popcorn ein „Luxus“, den sie sich für 5 oder 10 Cent noch leisten konnten. Während andere Branchen pleitegingen, boomte das Kino, weil die Menschen eine günstige Flucht aus dem Alltag suchten.
3. Der Siegeszug der Straßenverkäufer
Da die Kinos selbst noch kein Popcorn verkauften, stellten sich findige Straßenverkäufer mit mobilen Popcornmaschinen direkt vor die Kinos. Die Zuschauer kauften ihr Popcorn draußen und schmuggelten es in ihren Mänteln hinein. Schließlich erkannten die Kinobesitzer, dass sie eine riesige Einnahmequelle verpassten. Sie begannen, den Verkäufern Standgebühren zu berechnen oder bauten schließlich selbst Verkaufsstände in die Lobbys ein.
4. Der Tonfilm
Mit der Einführung des Tonfilms (ab 1927) änderte sich das Publikum. Man musste nicht mehr lesen können, um den Film zu verstehen. Das Kino wurde zum Massenmedium für alle Schichten. Zudem übertönte der Sound der Filme nun die Kaugeräusche des Popcorns, was die Akzeptanz des Snacks erhöhte.
5. Der Zweite Weltkrieg und die Zuckerrationierung
Während des Zweiten Weltkriegs wurde Zucker in den USA knapp und rationiert. Süßigkeiten und Limonaden waren schwer zu bekommen. Da Salz und Mais jedoch reichlich vorhanden waren, wurde Popcorn zum dominierenden Snack, weil die Konkurrenz (Schokolade und Bonbons) schlichtweg fehlte.
6. Die Gewinnmarge (Der ökonomische Grund heute)
Popcorn ist für Kinobetreiber bis heute eine Goldgrube. Die Herstellungskosten für eine Portion Popcorn liegen im Cent-Bereich, während sie für mehrere Euro verkauft wird. Tatsächlich machen viele Kinos heute mit dem Ticketverkauf kaum Gewinn (da ein Großteil an die Filmstudios geht) – das Überleben des Kinos wird oft allein durch den Verkauf von Popcorn und Softdrinks gesichert.
7. Praktische Vorteile
Popcorn hat zudem ideale Eigenschaften für das Kino:
- Es ist leicht: Eine große Tüte wiegt fast nichts.
- Es ist trocken: Es hinterlässt keine klebrigen Flecken wie Eiscreme oder Schokolade.
- Es ist schnell gemacht: Man kann große Mengen in kurzer Zeit produzieren.
- Der Duft: Das Aroma von frischem Popcorn wirkt verkaufsfördernd und ist im ganzen Gebäude wahrnehmbar.
Fazit: Popcorn rettete die Kinos während der Wirtschaftskrise finanziell und etablierte sich durch den Mangel an Alternativen im Zweiten Weltkrieg als der ultimative Begleiter für die Leinwand.