Warum werden Schnittbrötchen oft schon nach wenigen Stunden zäh und gummiartig?
Dass Schnittbrötchen (besonders die klassischen, hellen Weizenbrötchen) so schnell ihre Knusprigkeit verlieren und zäh werden, liegt an einem Zusammenspiel aus Physik und Chemie.
Hier sind die Hauptgründe für diesen Prozess:
1. Die Wanderung der Feuchtigkeit (Feuchtigkeitsausgleich)
Dies ist der wichtigste Faktor. Ein frisch gebackenes Brötchen hat eine sehr trockene Kruste und eine feuchte Krume (das Innere).
- Physik: Die Natur strebt immer nach einem Ausgleich. Die Feuchtigkeit wandert deshalb von innen (Krume) nach außen (Kruste).
- Die Folge: Die Kruste nimmt das Wasser auf. Da sie aber nur sehr dünn ist, wird sie nicht "saftig", sondern weich und lederartig. Gleichzeitig trocknet das Innere aus.
2. Die Retrogradation der Stärke
Stärke ist ein Hauptbestandteil von Mehl. Beim Backen nimmt die Stärke Wasser auf und quillt auf (verkleistert).
- Sobald das Brötchen abkühlt, beginnt der Prozess der Retrogradation: Die Stärkemoleküle versuchen, wieder in ihren ursprünglichen, kristallinen Zustand zurückzukehren.
- Dabei geben sie das gebundene Wasser wieder ab. Dieses Wasser zieht dann in die Kruste (siehe Punkt 1) oder verdunstet. Ohne das gebundene Wasser in der Stärkestruktur wird das Brötchen hart oder eben zäh.
3. Kurze Teigführung (Industrielle Herstellung)
Viele Brötchen aus Supermärkten oder von großen Backketten werden mit sehr kurzen Ruhezeiten hergestellt.
- Wenig Zeit: Wenn der Teig nicht lange genug ruhen darf (kurze Teigführung), kann das Wasser nicht tief und stabil in die Eiweiß- und Stärkestrukturen eingebunden werden.
- Schneller Verlust: Dieses "oberflächlich" gebundene Wasser entweicht viel schneller als bei einem handwerklichen Brötchen, das 24 Stunden oder länger reifen durfte.
- Backmittel: Enzyme und Emulgatoren in Industrieteigen sorgen zwar dafür, dass das Brötchen im Laden super aussieht und voluminös ist, aber der Alterungsprozess setzt nach dem Backen umso rasanter ein.
4. Das Verhältnis von Oberfläche zu Volumen
Schnittbrötchen sind meist relativ klein und haben eine im Verhältnis zum Volumen große Oberfläche. Zudem ist die Kruste sehr dünn. Ein großes Brot mit dicker Kruste hält die Feuchtigkeit viel länger im Kern, während das kleine Brötchen innerhalb weniger Stunden komplett "durchgefeuchtet" oder ausgetrocknet ist.
Was kann man dagegen tun?
- Richtig lagern: Brötchen niemals in Plastiktüten lagern (dort werden sie sofort gummiartig, weil die Feuchtigkeit nicht entweichen kann). Papiertüten sind für wenige Stunden besser, aber auch dort werden sie zäh.
- Aufbacken: Der Prozess der Retrogradation ist (bis zu einem gewissen Punkt) reversibel. Wenn man das Brötchen kurz mit etwas Wasser befeuchtet und im Ofen oder auf dem Toaster erhitzt, verflüssigt sich die Stärke wieder, das Wasser wandert zurück und das Brötchen wird für kurze Zeit wieder knusprig.
- Qualität kaufen: Brötchen von Bäckern, die "Langzeitteigführung" betreiben, bleiben deutlich länger frisch, da das Wasser im Teig besser gebunden ist.