Warum werden manche Briefmarken trotz korrekten Wertes von Sortiermaschinen nicht erkannt?
Dass Briefmarken von modernen Sortiermaschinen (z. B. bei der Deutschen Post) nicht erkannt werden, obwohl das Porto korrekt ist, kann verschiedene technische Gründe haben. Die Maschinen suchen nämlich nicht primär nach dem aufgedruckten Zahlenwert, sondern nach bestimmten Sicherheits- und Erkennungsmerkmalen.
Hier sind die Hauptgründe:
1. Fehlende oder beschädigte Fluoreszenz
Dies ist der häufigste Grund. Moderne Briefmarken sind mit einer speziellen Substanz beschichtet, die unter UV-Licht leuchtet (Fluoreszenz).
- Der Zweck: Die Sortiermaschine tastet den Brief mit UV-Sensoren ab, um die Marke zu finden, den Brief richtig herum zu drehen und den Stempel exakt zu platzieren.
- Das Problem: Wenn die Marke zu alt ist, durch Sonnenlicht ausgebleicht wurde oder chemisch (z. B. durch Reinigungsmittel) verändert wurde, leuchtet sie nicht mehr stark genug. Die Maschine „sieht“ die Marke dann schlichtweg nicht.
2. Überkleben mit Klebestreifen
Viele Menschen überkleben Briefmarken mit durchsichtigem Klebeband, damit sie besser halten.
- Das Problem: Das Plastik des Klebestreifens kann die UV-Strahlen reflektieren oder absorbieren. Dadurch wird die Fluoreszenz der Marke für die Sensoren unsichtbar. Zudem können manche Kleber die chemische Beschichtung der Marke angreifen.
3. Falsche Platzierung
Die Sortiermaschinen sind darauf programmiert, die Marke in der oberen rechten Ecke der Vorderseite zu suchen.
- Das Problem: Wenn die Marke links, mittig oder auf der Rückseite klebt, wird sie oft nicht erkannt. Der Brief wird dann aussortiert und muss händisch bearbeitet werden.
4. Kontrastprobleme und dunkle Umschläge
Die optischen Sensoren benötigen einen gewissen Kontrast zum Hintergrund.
- Das Problem: Wenn eine sehr dunkle Briefmarke auf einem dunkelblauen oder schwarzen Umschlag klebt, kann die Maschine die Kanten der Marke nicht präzise erfassen. Auch bunte Muster oder Grafiken in der Nähe der „Frankierzone“ können die OCR-Erkennung (optische Zeichenerkennung) stören.
5. Besonderheiten bei Internetmarken (QR-Codes)
Bei ausgedruckten Marken (Internetmarke oder „Mobile Briefmarke“ mit Code) ist die Druckqualität entscheidend.
- Das Problem: Wenn der Drucker Streifen zieht, die Tinte verschmiert ist oder das Papier stark glänzt, kann der Scanner den QR-Code oder den alphanumerischen Code nicht lesen. Da hier keine Fluoreszenz vorhanden ist, ist der Code das einzige Merkmal.
6. Mechanische Beschädigungen
Wenn die Marke eingerissen ist, Ecken fehlen oder sie stark gewellt ist, kann die Maschine den Beleg vorsichtshalber ausschleusen, um einen „Papierstau“ oder eine Beschädigung des Briefes zu verhindern.
7. Verwendung von sehr alten Marken
In Deutschland sind beispielsweise alle Marken in DM-Währung (vor 2001) ungültig. Aber auch bei älteren Euro-Marken kann es vorkommen, dass die damalige Fluoreszenz-Mischung von heutigen Maschinen schlechter erkannt wird als moderne Standards.
Was passiert, wenn die Maschine die Marke nicht erkennt?
Keine Sorge: Der Brief kommt meistens trotzdem an. Er landet in der sogenannten „Videocodierung“ oder bei der manuellen Nachbearbeitung. Ein Mitarbeiter prüft den Brief dann per Kamera am Bildschirm oder hält ihn physisch in der Hand, entwertet die Marke manuell und gibt den Brief wieder in den Zustellprozess. Dies kann die Zustellung allerdings um einen Tag verzögern.