Warum werden Gipskartonplatten für Feuchträume wie Badezimmer meist in grüner Farbe hergestellt und was unterscheidet sie technisch von grauen Platten?

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Die grüne Farbe von Gipskartonplatten (oft als „Feuchtraumplatten“ oder „GKBI“ bezeichnet) ist kein Zufall, sondern dient einer klaren Funktion auf der Baustelle. Hier sind die Gründe für die Farbe und die technischen Unterschiede im Detail:

1. Warum sind sie grün?

Die Farbe dient primär der optischen Unterscheidung. Auf einer Baustelle werden oft verschiedene Plattentypen gleichzeitig verarbeitet (Standard, Brandschutz, Feuchtschutz). Durch die kräftige grüne Kartonoberfläche können Handwerker, Architekten und Bauherren sofort erkennen, ob im Badezimmer oder in der Küche tatsächlich die teureren, imprägnierten Platten verbaut wurden oder versehentlich die grauen Standardplatten.

  • Grau/Weiß: Standardplatte (GKB)
  • Grün: Imprägnierte Platte (GKBI)
  • Rosa/Rot: Feuerschutzplatte (GKF)

2. Die technischen Unterschiede

Der entscheidende Unterschied liegt in der sogenannten Hydrophobierung (Wasserabweisung).

Der Gipskern

Bei Standardplatten (grau) saugt der Gips Feuchtigkeit wie ein Schwamm auf. Das führt dazu, dass die Platte aufquillt, an Stabilität verliert und der Karton sich ablösen kann. Bei grünen Platten werden dem Gipskern während der Herstellung Silikone oder Paraffine beigemischt. Diese Zusätze sorgen dafür, dass die Kapillaren im Gips verschlossen werden. Wasser dringt dadurch wesentlich langsamer und in geringeren Mengen in den Kern ein.

Der Karton

Auch die Papieroberfläche (der Karton) ist bei grünen Platten speziell behandelt. Er ist meist dicker und ebenfalls imprägniert, um Schimmelbildung vorzubeugen. Da Gips in Verbindung mit Feuchtigkeit und dem Zellstoff des Papiers einen idealen Nährboden für Schimmel bietet, ist dieser Schutz in Feuchträumen essenziell.

Die Wasseraufnahme (Normung)

Nach der DIN EN 520 werden imprägnierte Platten in Klassen eingeteilt (H1, H2, H3), je nachdem, wie viel Wasser sie nach zwei Stunden Wasserlagerung aufnehmen:

  • H1: Wasseraufnahme unter 5 % des Eigengewichts.
  • H2: Wasseraufnahme unter 10 % (der gängige Standard für grüne Platten im Baumarkt).
  • H3: Wasseraufnahme unter 25 %.

3. Wichtige Missverständnisse

Trotz ihrer grünen Farbe und der Imprägnierung gibt es zwei Dinge, die man beachten muss:

  1. Nicht wasserdicht: Eine grüne Platte ist wasserabweisend, aber nicht wasserdicht. Wenn sie dauerhaft unter Wasser steht oder direktem Spritzwasser ausgesetzt ist, versagt sie irgendwann.
  2. Abdichtung ist Pflicht: In der Dusche oder über der Badewanne (Spritzwasserbereiche) reicht die grüne Platte alleine nicht aus. Hier muss zusätzlich eine Verbundabdichtung (flüssige Dichtfolie und Dichtbänder an den Ecken) aufgetragen werden, bevor gefliest wird.

Zusammenfassung

Die grüne Farbe ist ein Code für „imprägniert“. Technisch unterscheiden sie sich von grauen Platten durch den Zusatz von Silikonen, die verhindern, dass die Platte Feuchtigkeit aufsaugt und schimmelt oder instabil wird.