Warum werden Dinkelbrötchen oft schneller trocken als andere Brötchensorten?
Dass Dinkelbrötchen (und Dinkelbrot) schneller trocken und hart werden als Weizenprodukte, liegt vor allem an der speziellen Eiweißstruktur und dem Wasserbindungsvermögen des Dinkelmehls.
Hier sind die drei Hauptgründe im Detail:
1. Die Beschaffenheit des Klebereiweißes (Gluten)
Dinkel hat zwar oft einen höheren Proteingehalt als Weizen, aber die Zusammensetzung des Klebereiweißes (Gluten) ist anders.
- Weizen hat ein ausgewogenes Verhältnis von Gliadin (für die Dehnbarkeit) und Glutenin (für die Elastizität und Stabilität).
- Dinkel enthält sehr viel Gliadin, aber verhältnismäßig wenig Glutenin. Das macht den Teig zwar weich und dehnbär, aber er ist instabiler. Das Gerüst kann die Feuchtigkeit während des Backens und danach nicht so fest umschließen wie beim Weizen.
2. Knetempfindlichkeit
Dinkel ist eine „Mimose“ unter den Getreidesorten. Da das Klebegerüst empfindlicher ist, darf Dinkelmehl nur kurz und vorsichtig geknetet werden. Wird er zu lange geknetet (überknetet), bricht das Klebegerüst zusammen. Ein instabiles Klebegerüst verliert die Fähigkeit, Wasser im Inneren des Brötchens zu binden. Die Folge: Das Wasser verdunstet schneller, und das Brötchen wird trocken.
3. Wasseraufnahme und Retrogradation
Dinkel nimmt Wasser zwar schnell auf, kann es aber schlechter „festthalten“. Sobald das Brötchen aus dem Ofen kommt, beginnt der Prozess der Retrogradation: Die verkleisterte Stärke gibt das gebundene Wasser wieder ab und kristallisiert aus. Da die Struktur beim Dinkel weniger stabil ist, wandert diese Feuchtigkeit schneller aus dem Inneren nach außen an die Kruste und verdunstet dort.
Was machen Bäcker (und Hobbybäcker) dagegen?
Um das Austrocknen zu verhindern, gibt es beim Backen mit Dinkel bewährte Tricks, die mehr Feuchtigkeit in den Teig bringen und dort binden:
- Quellstücke oder Kochstücke: Ein Teil des Mehl wird vorab mit Wasser vermischt oder sogar aufgekocht (wie ein Pudding). Dadurch saugt sich das Mehl voll, und diese Feuchtigkeit bleibt auch nach dem Backen länger im Brötchen.
- Sauerteig: Dinkel profitiert enorm von Sauerteigführung, da die Säure das Klebegerüst stabilisiert und die Frischhaltung verbessert.
- Fettzugabe: Ein kleiner Anteil an Butter oder Öl hilft, die Feuchtigkeit einzuschließen.
- Psyllium (Flohsamenschalen): Oft werden natürliche Quellstoffe zugesetzt, um die Wasserbindung künstlich zu erhöhen.
Zusammenfassend: Dinkelbrötchen werden schneller trocken, weil ihr Klebegerüst die Feuchtigkeit chemisch und physikalisch weniger effizient festhalten kann als das von Weizen. Ohne spezielle Backtechniken (wie lange Teigruhe oder Brühstücke) verliert der Dinkel sein Wasser schlichtweg zu schnell.