Warum weicht der Farbton des Lackstifts oft trotz korrekter Farbnummer vom Originallack ab?
Es ist ein bekanntes und oft frustrierendes Problem: Trotz des exakt passenden Farbcodes vom Hersteller sieht die Ausbesserung mit dem Lackstift oft dunkler, heller oder einfach „anders“ aus.
Hier sind die Hauptgründe für diese Abweichungen:
1. Alterung und Verwitterung (UV-Strahlung)
Dies ist der häufigste Grund. Der Lack auf dem Auto ist ständig der Witterung und vor allem der UV-Strahlung der Sonne ausgesetzt.
- Ausbleichen: Pigmente verlieren mit der Zeit an Intensität. Der Lackstift enthält jedoch die „frische“ Rezeptur des Neuwagens.
- Oxidation: Der Klarlack wird mit der Zeit stumpf oder leicht gelbstichig, was den optischen Eindruck des darunterliegenden Basislacks verändert.
2. Die Art des Auftrags (Pinsel vs. Spritzpistole)
Im Werk wird der Lack mit Hochgeschwindigkeits-Rotationszerstäubern (Spritzrobotern) hauchdünn und gleichmäßig aufgetragen.
- Schichtdicke: Mit einem Lackstift trägt man den Lack zwangsläufig viel dicker auf als bei einer Lackierung ab Werk. Eine dickere Schicht wirkt oft dunkler oder satter.
- Pigmentausrichtung: Besonders bei Metallic- oder Perleffekt-Lacken müssen sich die kleinen Aluminium- oder Glimmerplättchen flach hinlegen, um das Licht korrekt zu reflektieren. Beim Auftragen mit dem Pinsel „verwirbeln“ diese Partikel und stehen kreuz und quer. Das verändert die Lichtbrechung massiv – der Lack wirkt aus verschiedenen Winkeln oft deutlich dunkler oder grauer.
3. Nuancen und Chargen-Unterschiede
Fahrzeughersteller beziehen ihre Lacke oft von verschiedenen Zulieferern (z.B. BASF, Axalta, PPG).
- Obwohl der Farbcode (z. B. "VW L041") gleich bleibt, gibt es innerhalb der Produktion sogenannte Nuancen. Ein Lack kann in einer Charge minimal gelblicher, in der anderen minimal bläulicher ausfallen. Lackierereien nutzen deshalb oft Farbfächer, um die exakte Unter-Nuance des spezifischen Autos zu bestimmen. Ein Standard-Lackstift deckt meist nur die „Standard-Mischung“ ab.
4. Untergrund und Grundierung
Die Farbe der Grundierung beeinflusst das Endergebnis, da Autolacke (besonders moderne Wasserbasislacke) eine gewisse Transparenz haben. Wenn die Grundierung im Werk hellgrau war, Sie den Lackstift aber direkt auf dunkles Plastik oder Metall auftragen, wird das Endergebnis abweichen.
5. Fehlender Klarlack
Die meisten modernen Autolacke sind Zweischicht-Lacke (Basislack für die Farbe + Klarlack für Glanz und Schutz).
- Wird nur der Basislack aus dem Set aufgetragen, wirkt dieser nach dem Trocknen matt und meist heller/blasser. Erst der Klarlack gibt dem Farbton die nötige Tiefe und „feuert“ die Pigmente an.
6. Materialunterschiede am Auto
Oft sieht man schon bei Neuwagen einen leichten Unterschied zwischen der Metall-Karosserie und den Kunststoff-Stoßstangen, obwohl beide mit demselben Farbcode lackiert wurden. Lack reagiert auf Kunststoff anders als auf Blech. Wenn Sie nun mit dem Lackstift eine Stelle am Kotflügel (Metall) ausbessern, kann das Ergebnis anders ausfallen als an der Schürze (Plastik).
Tipps für ein besseres Ergebnis:
- Gut schütteln: Mindestens 2 Minuten, damit sich die Pigmente (besonders bei Metallic) perfekt vermischen.
- Probeauftrag: Den Lackstift erst an einer unauffälligen Stelle oder auf einem Stück Karton testen und trocknen lassen.
- Dünne Schichten: Lieber zwei hauchdünne Schichten als einen dicken Klecks.
- Tupfen, nicht streichen: Mit der Spitze des Pinsels (oder besser: einem Zahnstocher für sehr kleine Steinschläge) nur leicht tupfen.
- Klarlack nicht vergessen: Sobald der Farblack trocken ist (ca. 20-30 Min.), unbedingt den Klarlack dünn darübergeben.
- Polieren: Nach der vollständigen Durchhärtung (mehrere Tage) kann man die Stelle mit einer feinen Politur angleichen, um den Übergang zu ebnen.