Warum warnen Ärzte vor der Reinigung der Ohren mit Wattestäbchen?

Bearbeiten
Löschen

Ärzte und Ohrenspezialisten (HNO-Ärzte) warnen aus mehreren medizinischen Gründen eindringlich davor, Wattestäbchen zur Reinigung des Gehörgangs zu verwenden. Die wichtigsten Gründe sind:

1. Der „Kolben-Effekt“ (Hineinschieben statt Herausholen)

Wattestäbchen sind oft fast so breit wie der Gehörgang selbst. Anstatt das Ohrenschmalz (Cerumen) herauszubefördern, wirkt das Stäbchen wie ein Kolben in einer Pumpe: Ein Großteil des Schmalzes wird tiefer in den Gehörgang in Richtung Trommelfell gedrückt. Dort verdichtet es sich und kann einen festen Pfropf bilden, der das Gehör beeinträchtigt und vom Arzt mühsam entfernt werden muss.

2. Verletzungsgefahr des Trommelfells

Das Trommelfell ist eine extrem dünne, empfindliche Membran, die nur wenige Zentimeter tief im Ohr liegt. Eine unvorsichtige Bewegung, ein kleiner Stoß oder das Erschrecken durch eine andere Person kann dazu führen, dass das Stäbchen das Trommelfell durchstößt (Trommelfellperforation). Dies ist sehr schmerzhaft, führt zu Hörverlust und muss oft operiert werden.

3. Mikroverletzungen und Infektionen

Die Haut im Gehörgang ist sehr dünn und empfindlich. Die trockene Watte des Stäbchens verursacht oft winzige Risse oder Abschürfungen in der Haut. Durch diese Miniwunden können Bakterien oder Pilze eindringen, was zu schmerzhaften Gehörgangsentzündungen (Otitis externa) führt.

4. Ohrenschmalz ist nützlich (Kein Schmutz!)

Ohrenschmalz ist kein Zeichen von mangelnder Hygiene, sondern ein wichtiger Schutzmechanismus des Körpers:

  • Schutzfilm: Es hält die Haut im Ohr geschmeidig und verhindert, dass sie austrocknet und juckt.
  • Abwehr: Es hat einen leicht sauren pH-Wert und enthält Enzyme, die Bakterien und Pilze abtöten.
  • Reinigung: Es transportiert Staub, abgestorbene Hautschüppchen und Schmutzpartikel von allein nach draußen.

5. Störung des Selbstreinigungsmechanismus

Das Ohr reinigt sich von selbst. Durch die Kaubewegungen des Kiefers wird das Schmalz langsam nach außen befördert. Wer ständig mit Wattestäbchen „putzt“, stört diesen natürlichen Transport und reizt zudem die Drüsen, die daraufhin oft noch mehr Schmalz produzieren – ein Teufelskreis entsteht.


Wie reinigt man die Ohren richtig?

Die goldene Regel der HNO-Ärzte lautet: „Reinigen Sie nichts, was kleiner ist als Ihr Ellenbogen.“

  • Nur die Ohrmuschel: Reinigen Sie nur den Bereich, den Sie mit einem weichen Waschlappen oder dem Finger erreichen können.
  • Nach dem Duschen: Wischen Sie die Feuchtigkeit und das nach außen getretene Schmalz einfach mit einem Handtuch am Eingang des Gehörgangs ab.
  • Bei Problemen: Wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihr Ohr verstopft ist, nutzen Sie spezielle Ohrensprays aus der Apotheke oder lassen Sie die Ohren professionell beim HNO-Arzt reinigen.