Warum verwendet man Unterlegscheiben bei weichen Werkstoffen wie Holz oder Kunststoff?
Die Verwendung von Unterlegscheiben bei weichen Werkstoffen wie Holz oder Kunststoff hat vor allem mechanische und konstruktive Gründe. Hier sind die wichtigsten Punkte zusammengefasst:
1. Vergrößerung der Auflagefläche (Verteilung der Kraft)
Dies ist der wichtigste Grund. Physikalisch gesehen gilt: Druck = Kraft pro Fläche ($P = F / A$).
- Weiche Materialien haben eine geringe Flächenpressung. Das bedeutet, sie geben unter hohem Druck leicht nach.
- Ohne Unterlegscheibe wirkt die gesamte Klemmkraft der Schraube oder Mutter nur auf die kleine Fläche direkt unter dem Schraubenkopf.
- Die Unterlegscheibe vergrößert diese Fläche erheblich. Dadurch wird die Kraft auf einen größeren Bereich verteilt, und der Druck auf das Material sinkt.
2. Verhindern des „Eingrabens“ oder Durchziehens
Bei weichen Werkstoffen besteht die Gefahr, dass sich der Schraubenkopf oder die Mutter beim Festziehen in das Material hineinfrisst oder es sogar komplett durchbricht (besonders bei dünnen Kunststoffplatten oder weichem Nadelholz).
- Die Scheibe wirkt als Barriere und verhindert, dass der Kopf im Material versinkt.
- Das Material wird nicht gequetscht oder beschädigt, wodurch die strukturelle Integrität des Bauteils erhalten bleibt.
3. Schutz der Oberfläche
Beim Festdrehen einer Schraube oder Mutter entstehen Reibungskräfte.
- Wenn der Metallkopf direkt auf Holz oder Kunststoff rotiert, kann die Oberfläche zerkratzt, aufgerissen oder durch die Hitzeentwicklung (bei Kunststoff) verformt werden.
- Die Unterlegscheibe liegt meist still auf dem Werkstoff, während sich der Schraubenkopf auf der glatten Metalloberfläche der Scheibe dreht.
4. Ausgleich von zu großen Bohrlöchern
In weichen Materialien werden Löcher oft etwas ungenauer gebohrt, oder sie weiten sich mit der Zeit aus. Eine Unterlegscheibe stellt sicher, dass die Schraube dennoch einen festen Halt findet und nicht durch das (vielleicht etwas zu groß geratene) Loch rutscht.
5. Erhalt der Vorspannkraft
Holz „arbeitet“ (es schrumpft oder quillt je nach Feuchtigkeit). Kunststoff kann unter dauerhafter Belastung „kriechen“ (sich plastisch verformen).
- Wenn sich das Material unter dem Schraubenkopf lokal verformt (weil keine Scheibe verwendet wurde), lockert sich die Verbindung sehr schnell.
- Durch die großflächige Verteilung der Last bleibt die Spannung der Verschraubung länger stabil.
Besonderheit: Kotflügelscheiben (Karosseriescheiben) Bei besonders weichen oder dünnen Materialien verwendet man oft extra große Unterlegscheiben (sog. Kotflügel- oder Karosseriescheiben). Diese haben einen besonders großen Außendurchmesser im Verhältnis zum Loch, um die Last auf eine noch größere Fläche zu verteilen.
Zusammenfassend: Unterlegscheiben verhindern, dass die Schraube das weiche Material zerquetscht, und sorgen für eine dauerhaft stabile und sichere Verbindung.