Geben Teebeutel aus Kunststoff bei Kontakt mit kochendem Wasser Mikroplastik an das Getränk ab?

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Ja, Kunststoff-Teebeutel geben beim Kontakt mit kochendem Wasser erhebliche Mengen an Mikro- und Nanoplastik ab.

Hier sind die wichtigsten Fakten dazu:

1. Die wissenschaftliche Datenlage

Die bekannteste Studie zu diesem Thema stammt von Forschern der McGill University in Montreal (veröffentlicht 2019 im Fachmagazin Environmental Science & Technology). Die Forscher untersuchten vier verschiedene Sorten von handelsüblichen Teebeuteln aus Kunststoff (meist Nylon oder PET).

Das Ergebnis war erschreckend:

  • Ein einziger Teebeutel setzte bei einer Brühtemperatur von 95 °C etwa 11,6 Milliarden Mikroplastik-Partikel und 3,1 Milliarden Nanoplastik-Partikel in eine einzige Tasse Tee frei.
  • Diese Konzentrationen liegen um ein Vielfaches höher als die Mengen an Plastikpartikeln, die bisher in anderen Lebensmitteln (wie etwa in Flaschenwasser oder Speisesalz) gefunden wurden.

2. Welche Teebeutel sind betroffen?

Es handelt sich meist nicht um die klassischen, flachen Papier-Teebeutel, sondern um die sogenannten „Pyramiden-Teebeutel“ oder Beutel mit einer seidigen Textur. Diese bestehen häufig aus:

  • Nylon (Polyamid)
  • PET (Polyethylenterephthalat)

Vorsicht bei Papierbeuteln: Auch herkömmliche Papier-Teebeutel können Kunststoffe enthalten. Viele Hersteller verwenden eine dünne Schicht aus Polypropylen (PP), um die Ränder des Beutels durch Hitze zu versiegeln, damit er im Wasser nicht aufgeht. Diese geben zwar deutlich weniger Partikel ab als reine Kunststoffbeutel, sind aber oft nicht zu 100 % plastikfrei.

3. Was ist mit biologisch abbaubaren Beuteln?

Viele moderne Pyramidenbeutel bestehen aus PLA (Polymilchsäure), einem biobasierten Kunststoff (oft aus Maisstärke). Obwohl sie als „biologisch abbaubar“ vermarktet werden, handelt es sich chemisch gesehen immer noch um Polymere. Studien deuten darauf hin, dass auch diese Beutel bei Hitze Partikel abgeben können, deren Auswirkungen auf den Körper noch nicht vollständig geklärt sind.

4. Gesundheitliche Folgen

Bisher ist nicht abschließend geklärt, wie gefährlich die Aufnahme dieser Partikel für den Menschen ist. In der erwähnten Studie wurden Wasserflöhe den Plastikpartikeln ausgesetzt; diese zeigten zwar Überlebensfähigkeit, aber deutliche Verhaltensauffälligkeiten und anatomische Deformationen. Die Langzeitfolgen beim Menschen werden derzeit weltweit erforscht.

Tipps zur Vermeidung:

Wenn Sie Mikroplastik im Tee vermeiden wollen, gibt es einfache Alternativen:

  1. Lose Tees: Die sicherste Methode ist die Verwendung von losem Tee in einem Sieb aus Edelstahl oder Glas.
  2. Papierbeutel mit Bio-Siegel: Achten Sie auf Beutel, die explizit als „plastikfrei“ gekennzeichnet sind oder die klassisch geknotet (mit einem Faden) statt heiß versiegelt sind.
  3. Keine Kunststoff-Pyramiden: Vermeiden Sie glänzende, „seidenartige“ Beutel.

Zusammenfassend: Kunststoff-Teebeutel geben in heißem Wasser Milliarden kleinster Plastikpartikel ab. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte auf losen Tee oder zertifiziert plastikfreie Papierbeutel umsteigen.