Können Kunststoff-Trinkhalme bei Kontakt mit heißen Getränken Mikroplastik freisetzen?

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Die kurze Antwort lautet: Ja, Kunststoff-Trinkhalme können bei Kontakt mit heißen Getränken Mikroplastik freisetzen.

Hier sind die Details und die wissenschaftlichen Hintergründe dazu:

1. Thermische Belastung

Kunststoffe wie Polypropylen (PP), aus denen herkömmliche Plastikstrohhalme meist bestehen, reagieren empfindlich auf Hitze. Hohe Temperaturen führen dazu, dass die Polymerstruktur des Kunststoffs instabiler wird. Durch die thermische Energie können sich winzige Fragmente aus der Oberfläche lösen – sowohl Mikroplastik (Partikel kleiner als 5 mm) als auch Nanoplastik (noch kleinere Partikel).

2. Studienergebnisse zu Kunststoffbehältern

Zwar gibt es spezifische Studien direkt zu Trinkhalmen seltener als zu Plastikflaschen oder Babyfläschchen, aber die Erkenntnisse sind übertragbar. Eine bekannte Studie aus dem Jahr 2020 (veröffentlicht in Nature Food) zeigte, dass Babyflaschen aus Polypropylen bei der Zubereitung heißer Nahrung Millionen von Mikroplastikpartikeln pro Liter freisetzen. Je heißer die Flüssigkeit war, desto mehr Partikel wurden freigesetzt. Da Trinkhalme oft aus demselben Material bestehen, ist dieser Effekt auch hier zu erwarten.

3. "Bioplastik" (PLA) ist keine Ausnahme

Auch Trinkhalme aus sogenannten Biokunststoffen wie PLA (Polymilchsäure) sind nicht immun. PLA ist zwar theoretisch biologisch abbaubar (unter industriellen Bedingungen), setzt aber bei Kontakt mit heißen Flüssigkeiten ebenfalls Partikel frei, da es eine relativ niedrige Wärmeformbeständigkeit hat (es wird bereits ab ca. 50–60 °C weich).

4. Neben Mikroplastik: Chemische Substanzen

Neben den festen Kunststoffpartikeln können durch Hitze auch chemische Zusatzstoffe (Additive) aus dem Plastik in das Getränk übergehen (Migrationsprozess). Dazu gehören:

  • Weichmacher (obwohl bei PP seltener als bei PVC).
  • Farbstoffe.
  • Stabilisatoren.

5. Warum man es vermeiden sollte

  • Gesundheitsrisiken: Die Langzeitfolgen von Mikroplastik im menschlichen Körper sind noch nicht vollständig erforscht, aber es gibt Hinweise auf Entzündungsreaktionen und die Aufnahme von Schadstoffen in die Zellen.
  • Verformung: Herkömmliche Einweg-Plastikstrohhalme sind nicht für Heißgetränke konzipiert und können schmelzen oder sich verformen, was die Nutzung unpraktisch macht.

Bessere Alternativen für Heißgetränke:

Wenn du ein heißes Getränk (wie Tee, Kaffee oder Punsch) mit einem Halm trinken möchtest, solltest du auf hitzebeständige Materialien umsteigen:

  • Glas: Absolut geschmacksneutral und gibt keine Partikel ab.
  • Edelstahl: Robust und hitzebeständig (wird aber selbst heiß, Vorsicht an den Lippen!).
  • Silikon: Hochwertiges, lebensmittelechtes Silikon ist sehr hitzebeständig und setzt in der Regel kein Mikroplastik frei.
  • Papier: Zwar kein Plastik, aber bei Heißgetränken weichen sie schnell auf und können Klebstoffe oder Beschichtungen freisetzen.

Fazit: Hitze beschleunigt die Zersetzung von Kunststoffen massiv. Daher ist es ratsam, herkömmliche Plastikstrohhalme niemals für heiße Getränke zu verwenden.

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