Warum verursachen verschlissene Zündkerzen oft Startschwierigkeiten?
Verschlissene Zündkerzen sind eine der häufigsten Ursachen für Startprobleme bei Benzinmotoren. Das liegt vor allem an der Physik der Funkenbildung und den erschwerten Bedingungen während des Startvorgangs.
Hier sind die Hauptgründe im Detail:
1. Vergrößerter Elektrodenabstand (Abbrand)
Durch die tausenden Zündungen pro Minute springt der Funke jedes Mal von der Mittelelektrode zur Masseelektrode. Dabei wird im Laufe der Zeit winzig viel Material abgetragen (Elektrodenabbrand).
- Die Folge: Der Abstand zwischen den Elektroden wird größer.
- Das Problem beim Starten: Je größer der Abstand, desto höher ist die elektrische Spannung, die benötigt wird, damit der Funke überhaupt überspringt. Beim Starten dreht der Anlasser den Motor, was der Batterie bereits viel Energie entzieht. Die Bordspannung sinkt ab, wodurch die Zündspule weniger Energie hat, um die nötige Hochspannung für einen großen Elektrodenabstand zu erzeugen.
2. Ablagerungen und Verrußung
Wenn Zündkerzen alt sind oder der Motor oft im Kurzstreckenbetrieb läuft, bilden sich Ablagerungen (Ruß, Ölkohle oder Verbrennungsrückstände) auf dem Isolatorfuß.
- Die Folge: Diese Ablagerungen können elektrisch leitend werden.
- Das Problem beim Starten: Der Strom fließt als „Kriechstrom“ über die Ablagerungen direkt gegen Masse ab, anstatt einen kräftigen Funken an der Elektrodenspitze zu bilden. Man spricht davon, dass die Kerze „absäuft“ oder „verrotzt“. Ohne einen konzentrierten Funken entzündet sich das Kraftstoff-Luft-Gemisch nicht.
3. Erschwerte Bedingungen beim Kaltstart
Beim Starten eines kalten Motors ist das Gemisch absichtlich „fetter“ (mehr Kraftstoffanteil).
- Die Folge: Kraftstofftröpfchen schlagen sich an den kalten Zündkerzen nieder.
- Das Problem beim Starten: Feuchte Zündkerzen leiten den Strom schlechter über den Luftspalt. Eine neue, saubere Kerze kann dies durch einen starken Funken kompensieren. Eine verschlissene Kerze mit schwachem Funken schafft es nicht, das fette, träge Gemisch zu entzünden.
4. Erhöhter Widerstand durch Materialermüdung
Auch der interne Entstörwiderstand in der Zündkerze oder die Isolierung können mit der Zeit altern und rissig werden.
- Die Folge: Der Zündfunke verliert an Energie oder springt bereits im Inneren der Kerze oder am Isolator nach außen über (Fehlzündung).
- Das Problem beim Starten: Ein schwacher oder unregelmäßiger Funke reicht nicht aus, um die Verbrennung unter dem hohen Druck im Zylinder einzuleiten.
Zusammenfassung der Kettenreaktion:
- Verschleiß führt zu höherem Spannungsbedarf.
- Kaltstart/Batteriebelastung führt zu niedrigerer verfügbarer Spannung.
- Ergebnis: Die verfügbare Spannung reicht nicht aus, um den (zu großen) Spalt zu überbrücken $\rightarrow$ Kein Zündfunke $\rightarrow$ Motor startet nicht.
Tipp: Wenn das Auto schlecht anspringt, lohnt sich ein Blick auf das „Kerzengesicht“. Sind die Elektroden rundgebrannt oder stark verrußt, ist ein Austausch überfällig. Moderne Iridium- oder Platin-Zündkerzen halten zwar deutlich länger (oft 60.000 bis 100.000 km), sind aber gegen Ende ihrer Lebensdauer genauso anfällig für diese Probleme.