Warum verschlechtert sich das Hörvermögen unmittelbar nach der Gabe von Ohrentropfen?

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Dass sich das Hörvermögen unmittelbar nach der Anwendung von Ohrentropfen verschlechtert, ist ein normales und meist vorübergehendes Phänomen. Es gibt dafür mehrere physikalische und medizinische Gründe:

1. Die physikalische Barriere (Der „Unterwasser-Effekt“)

Das Gehör funktioniert normalerweise über die Leitung von Schallwellen durch die Luft im Gehörgang zum Trommelfell. Wenn Sie Tropfen in das Ohr geben, füllen diese den Gehörgang ganz oder teilweise aus.

  • Schalldämpfung: Flüssigkeit ist wesentlich dichter als Luft. Sie reflektiert einen Großteil der Schallwellen, anstatt sie zum Trommelfell durchzulassen. Das Gefühl ähnelt dem Hören unter Wasser.
  • Verschluss: Die Flüssigkeit bildet eine mechanische Barriere (einen Flüssigkeitspfropfen), die den Gehörgang blockiert.

2. Aufquellen von Ohrenschmalz (Cerumen)

Dies ist einer der häufigsten Gründe, warum man nach der Anwendung plötzlich „fast gar nichts“ mehr hört:

  • Wenn sich bereits Ohrenschmalz im Gehörgang befindet, saugt dieses die Tropfen wie ein Schwamm auf.
  • Das Ohrenschmalz quillt auf und dehnt sich aus. Dadurch wird der verbleibende schmale Spalt, durch den vorher noch Schall ans Trommelfell gelangen konnte, komplett verschlossen.
  • Oft ist dies sogar gewollt, wenn die Tropfen dazu dienen sollen, den Pfropfen für eine spätere Spülung beim Arzt aufzuweichen.

3. Eingeschlossene Luftblasen

Beim Einträufeln der Flüssigkeit kann eine Luftblase zwischen dem Tropfen und dem Trommelfell eingeschlossen werden. Diese Luftblase wirkt wie eine zusätzliche Barriere und verhindert, dass die Flüssigkeit (oder der Schall) ordnungsgemäß abfließen bzw. eindringen kann. Das führt oft zu einem unangenehmen Druckgefühl oder einem „wattigen“ Hören.

4. Viskosität der Tropfen

Manche Ohrentropfen sind ölig oder enthalten Glycerin. Diese Stoffe sind „dicker“ (viskoser) als Wasser. Sie haften länger an den Wänden des Gehörgangs und direkt auf dem Trommelfell, was dessen Schwingungsfähigkeit kurzzeitig einschränkt.


Was kann man tun?

  1. Geduld: In den meisten Fällen bessert sich das Gehör, sobald die Flüssigkeit abfließt oder verdunstet.
  2. Richtiges Liegen: Bleiben Sie nach der Gabe der Tropfen etwa 5 bis 10 Minuten auf der Seite liegen, damit das Medikament einwirken kann.
  3. Abfließen lassen: Neigen Sie den Kopf danach zur anderen Seite und ziehen Sie leicht am Ohrläppchen, um den Gehörgang zu begradigen, damit die überschüssige Flüssigkeit herauslaufen kann.
  4. Nicht mit Wattestäbchen nachhelfen: Versuchen Sie niemals, die Flüssigkeit mit einem Wattestäbchen tief im Ohr aufzusaugen. Damit drücken Sie aufgeweichtes Ohrenschmalz nur noch tiefer vor das Trommelfell.

Wann zum Arzt?

Wenn das Taubheitsgefühl oder die Hörverschlechterung länger als ein paar Stunden nach der Anwendung anhält oder wenn starke Schmerzen und Schwindel auftreten, sollten Sie einen HNO-Arzt aufsuchen. Es könnte sein, dass ein Ohrenschmalzpfropfen nun so fest sitzt, dass er professionell entfernt werden muss, oder dass eine Entzündung vorliegt, die das Gewebe zusätzlich anschwellen lässt.

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