Warum verliert Speiseeis nach dem Antauen und Wiedereinfrieren seine cremige Konsistenz?
Das liegt an der Veränderung der physikalischen Struktur des Eises. Speiseeis ist aus physikalischer Sicht ein sehr komplexes Gebilde – eine sogenannte gefrorene Emulsion und ein Schaum.
Wenn Eis antaut und wieder einfriert, passieren im Wesentlichen drei Dinge, die die Konsistenz ruinieren:
1. Das Wachstum der Eiskristalle (Rekristallisation)
Dies ist der wichtigste Faktor. Bei der Herstellung im Werk (oder in einer Eismaschine) wird das Eis unter ständigem Rühren sehr schnell gefroren. Dadurch entstehen Millionen winziger Eiskristalle, die so klein sind, dass die Zunge sie nicht einzeln wahrnehmen kann – das Eis fühlt sich cremig an.
- Beim Antauen: Die kleinsten Eiskristalle schmelzen zuerst zu Wasser.
- Beim Wiedereinfrieren: In einer normalen Gefriertruhe geschieht das Einfrieren sehr langsam und ohne Rühren. Das geschmolzene Wasser lagert sich an den noch vorhandenen größeren Eiskristallen an. Diese wachsen dadurch zu großen Eiskristallen heran.
- Das Ergebnis: Sobald Eiskristalle größer als etwa 40 bis 50 Mikrometer sind, nimmt die Zunge sie als grob, sandig oder "eisig" wahr.
2. Der Verlust von Luft (Kollaps des Schaums)
Speiseeis besteht zu einem großen Teil aus Luft (bis zu 50 % des Volumens). Diese winzigen Luftbläschen sind im gefrorenen Fett-Zucker-Gerüst gefangen und sorgen für die Lockerheit und Weichheit ("Fluffigkeit").
- Beim Antauen: Das stützende Gerüst aus Fett und Eiweiß wird instabil. Die eingeschlossenen Luftblasen steigen nach oben oder fließen zusammen und entweichen.
- Beim Wiedereinfrieren: Die Luft ist weg und kann ohne kräftiges Aufschlagen nicht wieder hineingeführt werden.
- Das Ergebnis: Das Eis wird kompakt, hart und verliert sein Volumen.
3. Entmischung der Emulsion
Eis ist eine Mischung aus Fett (Sahne/Milch), Wasser und Zucker. Emulgatoren sorgen dafür, dass sich Fett und Wasser eigentlich nicht trennen.
- Beim Schmelzen: Die feine Verteilung der Fetttröpfchen kann gestört werden. Wenn das Eis flüssig wird, trennen sich die Bestandteile leicht voneinander.
- Beim Wiedereinfrieren: Es bildet sich keine homogene Masse mehr, sondern oft eine klebrige, zuckrige Schicht und eine separate, kristalline Wassereis-Schicht.
Tipps, um den Effekt zu minimieren:
- Nicht die ganze Packung rausstellen: Entnehmen Sie nur so viel Eis, wie Sie essen möchten, und stellen Sie den Rest sofort zurück in den Gefrierschrank.
- Kalt lagern: Je kälter der Gefrierschrank (ideal sind -18 °C oder kälter), desto weniger "wandert" das Wasser innerhalb der Packung.
- Oberfläche schützen: Legen Sie eine Klarsichtfolie direkt auf die Oberfläche des Eises, bevor Sie den Deckel schließen. Das verhindert die Bildung von Eiskristallen durch Luftfeuchtigkeit (Gefrierbrand).
- Im Kühlschrank antauen: Wenn Sie das Eis portionierbar machen wollen, lassen Sie es lieber 10-15 Minuten im Kühlschrank statt bei Zimmertemperatur stehen. So schmelzen die Ränder nicht so extrem schnell weg.