Warum verliert eine Händedesinfektion massiv an Wirkung, wenn sie auf nassen statt auf trockenen Händen angewendet wird?
Das massiv verschlechterte Ergebnis einer Händedesinfektion auf nassen Händen hat primär physikalische und chemische Gründe. Hier sind die wichtigsten Faktoren im Detail erklärt:
1. Der Verdünnungseffekt (Hauptgrund)
Händedesinfektionsmittel basieren meist auf Alkoholen (Ethanol, Isopropanol). Damit diese zuverlässig Bakterien abtöten und Viren inaktivieren, ist eine bestimmte Konzentration notwendig (meist zwischen 60 % und 95 %).
- Was passiert: Wenn du Desinfektionsmittel auf nasse Hände gibst, vermischt sich der Alkohol sofort mit dem verbliebenen Wasser auf der Haut.
- Die Folge: Die Konzentration des Alkohols sinkt rapide unter den kritischen Schwellenwert. Fällt die Konzentration beispielsweise von 70 % auf unter 50 % oder 40 %, verliert das Mittel seine Fähigkeit, die Eiweißhüllen von Erregern zu zerstören (Denaturierung). Die Keime überleben.
2. Die Barrierefunktion des Wassers
Wasser und Alkohol haben unterschiedliche Oberflächenspannungen.
- Was passiert: Wenn die Hautfalten und Poren bereits mit Wasser gefüllt sind, kann das Desinfektionsmittel nicht mehr so gut in diese mikroskopisch kleinen Vertiefungen eindringen.
- Die Folge: Das Wasser wirkt wie eine Schutzschicht für die Mikroorganismen, die sich in den tieferen Schichten der Hornhaut oder in Hautfalten befinden. Das Desinfektionsmittel "schwimmt" nur obenauf.
3. Herabgesetzte Einwirkzeit durch Abfließen
- Was passiert: Die Aufnahmekapazität der Haut für Flüssigkeit ist begrenzt. Wenn die Hände bereits nass sind, können sie die zusätzliche Menge an Desinfektionsmittel (meist 3 ml empfohlen) kaum halten.
- Die Folge: Das Gemisch aus Wasser und Desinfektionsmittel tropft einfach von den Händen ab, bevor die notwendige Einwirkzeit (in der Regel 30 Sekunden) erreicht ist.
4. Hautirritationen (Nebenwirkung)
Obwohl dies nicht direkt die Wirksamkeit gegen Keime mindert, ist es für die Hygiene wichtig:
- Wenn Alkohol auf nasse Hände trifft, wird der natürliche Hydrolipidfilm der Haut stärker angegriffen. Dies führt bei häufiger Anwendung zu rissigen Händen.
- In rissiger Haut können sich Keime wiederum viel besser festsetzen und lassen sich noch schwerer eliminieren.
Zusammenfassung: Die "Goldene Regel"
Für eine wirksame Desinfektion gilt immer: Erst waschen, dann gründlich abtrocknen und erst auf die trockene Haut das Desinfektionsmittel auftragen.
Hinweis: Im medizinischen Alltag wird sogar empfohlen, das Waschen und Desinfizieren zeitlich zu trennen, da die Desinfektion auf optisch sauberen, trockenen Händen deutlich effektiver und hautschonender ist als die Kombination aus Wasser, Seife und Alkohol.