Warum verblasst die Schrift auf vielen Kassenbons nach einiger Zeit, wenn sie Licht oder Wärme ausgesetzt sind?

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Das Verblassen von Kassenbons liegt an der speziellen Drucktechnik und der chemischen Beschichtung des Papiers. Die meisten Kassenbons bestehen aus Thermopapier.

Hier sind die genauen Gründe für das Verblassen:

1. Die Funktionsweise: Drucken mit Hitze statt Tinte

Im Gegensatz zu herkömmlichen Druckern nutzen Bondrucker keine Tinte oder Toner. Stattdessen hat das Papier eine chemische Beschichtung, die auf Hitze reagiert. Der Druckkopf des Geräts erhitzt punktuell das Papier, wodurch eine chemische Reaktion ausgelöst wird, die die Farbe (meist Schwarz) sichtbar macht.

2. Warum Wärme schadet

Da die Schrift durch Hitze entstanden ist, bleibt das Papier auch nach dem Druck thermosensitiv (hitzeempfindlich).

  • Hohe Temperaturen: Wenn der Bon im Sommer im warmen Auto oder in der Nähe einer Heizung liegt, reagiert die gesamte Beschichtung. Der Bon wird entweder komplett dunkel oder die Kontraste verschwimmen, bis die Schrift nicht mehr lesbar ist.
  • Rückwärtsreaktion: Bei manchen Thermopapieren kann Wärme die chemische Verbindung der Farbstoffe auch wieder lösen, wodurch die Schrift verblasst.

3. Warum Licht (UV-Strahlung) schadet

UV-Licht ist sehr energiereich. Es bricht die chemischen Bindungen der Farbstoffe (meist sogenannte Leukofarbstoffe) auf der Papieroberfläche auf. Das Licht bleicht die Farbe schlichtweg aus, ähnlich wie Kleidung in der Sonne mit der Zeit an Farbe verliert – bei Thermopapier geht das aufgrund der Instabilität der Moleküle nur viel schneller.

4. Weitere Faktoren: Weichmacher und Gerbstoffe

Nicht nur Licht und Wärme sind Feinde des Kassenbons:

  • Weichmacher: In Klarsichthüllen oder Portemonnaies aus Kunststoff sind oft Weichmacher enthalten. Diese wandern in das Papier und lösen die Farbstoffe auf.
  • Hautfette und Cremes: Auch Öle und Fette von den Händen können die chemische Reaktion rückgängig machen.

Ein Wort zu den Inhaltsstoffen (BPA)

Früher wurde oft Bisphenol A (BPA) als Farbentwickler im Thermopapier eingesetzt. Da BPA hormonell wirksam ist und über die Haut aufgenommen werden kann, ist es in der EU seit 2020 in Thermopapier verboten. Heutige Bons nutzen meist Ersatzstoffe (wie BPS), die aber oft eine ähnliche chemische Instabilität aufweisen.

Tipps zur Aufbewahrung:

Wenn du einen Kassenbon für die Garantie oder die Steuer länger aufbewahren musst:

  1. Kopie oder Foto machen: Das ist der sicherste Weg. Ein Scan oder ein Foto wird vom Finanzamt in der Regel anerkannt.
  2. Dunkel und kühl lagern: In einem Briefumschlag aus Papier (keine Plastikhülle!).
  3. Blaues Thermopapier: Vielleicht hast du schon einmal bläuliche Kassenbons gesehen (oft bei Edeka oder Rewe). Dieses Papier funktioniert physikalisch anders (ohne chemische Farbentwickler) und ist deutlich beständiger gegen Licht und Feuchtigkeit.