Warum tritt bei vielen Augentropfen direkt nach der Anwendung eine kurzzeitige Sehverschlechterung oder Trübung auf?
Dass das Sehvermögen direkt nach dem Eintropfen von Augentropfen kurzzeitig verschwommen ist, ist ein sehr häufiges Phänomen. Es gibt dafür vor allem physikalische und chemische Gründe.
Hier sind die Hauptursachen im Detail erklärt:
1. Veränderung des Lichtbrechungsindex (Physik)
Das Auge funktioniert wie eine Kamera. Die Hornhaut und der darüber liegende Tränenfilm bilden die wichtigste Linse für die Lichtbrechung. Wenn Sie einen Tropfen in das Auge geben, verändert das die Krümmung und die Zusammensetzung dieser Flüssigkeitsschicht auf der Hornhaut.
- Lichtstreuung: Solange sich der Tropfen noch nicht gleichmäßig verteilt hat, ist die Oberfläche uneben. Das Licht wird unkontrolliert gestreut, anstatt präzise auf die Netzhaut gebündelt zu werden. Das Resultat ist ein unscharfes Bild.
2. Viskosität (Zähflüssigkeit)
Viele moderne Augentropfen (besonders gegen trockene Augen) enthalten Wirkstoffe wie Hyaluronsäure oder Gele. Diese sollen absichtlich länger auf dem Auge haften bleiben, um es zu befeuchten.
- Je „dicker“ (viskoser) ein Tropfen ist, desto länger dauert es, bis er durch Blinzeln in einen dünnen, gleichmäßigen Film ausgestrichen wurde.
- Augensalben verursachen die stärkste Trübung, da sie auf Fettbasis beruhen und sich nicht mit dem Wasser des Tränenfilms vermischen, sondern einen dauerhaften Schmierfilm bilden.
3. Vermischung mit dem Tränenfilm
Der natürliche Tränenfilm besteht aus drei Schichten: Schleim (Muzin), Wasser und einer äußeren Fettschicht (Lipide). Wenn ein Fremdstoff (der Tropfen) hinzukommt, muss sich diese komplexe Struktur erst neu sortieren. Während dieses Mischvorgangs kann es zu einer kurzzeitigen Emulsionsbildung kommen, die wie ein leichter Nebel wirkt.
4. Der pH-Wert und Inhaltsstoffe
Augentropfen haben oft einen leicht anderen pH-Wert als die natürliche Tränenflüssigkeit. Dies kann einen kurzen Moment lang die Hornhautzellen reizen oder zu einem verstärkten Tränenfluss führen. Die überschüssige Flüssigkeit im Auge sorgt dann für das „schwimmende“ Sehen.
5. Konservierungsmittel
Manche Tropfen enthalten Konservierungsstoffe (wie Benzalkoniumchlorid), die bei empfindlichen Augen eine minimale, sofortige Reizung der Hornhautoberfläche verursachen können, was ebenfalls zu kurzem Nebelsehen führt.
Was sollte man beachten?
- Geduld und Blinzeln: Durch sanftes Blinzeln verteilt sich die Flüssigkeit schneller. Reiben Sie die Augen jedoch nicht fest mit den Fingern.
- Sicherheit im Alltag: Warten Sie unbedingt ab, bis die Sicht wieder völlig klar ist, bevor Sie Auto fahren, Maschinen bedienen oder am Straßenverkehr teilnehmen. Meist dauert dies nur 30 Sekunden bis zwei Minuten (bei Gelen etwas länger).
- Reihenfolge: Wenn Sie mehrere verschiedene Tropfen nehmen müssen, warten Sie meist etwa 5 bis 10 Minuten zwischen den Anwendungen, damit der erste Tropfen nicht vom zweiten wieder herausgespült wird.
Wann ist es bedenklich? Wenn die Sehverschlechterung länger als 15-20 Minuten anhält, mit starken Schmerzen, massiver Rötung oder Lichtblitzen einhergeht, sollten Sie einen Augenarzt aufsuchen, da dies auf eine allergische Reaktion oder eine Unverträglichkeit hindeuten könnte.