Warum steht der Inhaltsstoff Talkum immer wieder in der Kritik?

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Talkum (magnesiumsilikathydrat) ist ein natürlich vorkommendes Mineral, das in vielen Alltagsprodukten wie Babypuder, Gesichtspuder, Lidschatten oder auch als Trennmittel in Lebensmitteln verwendet wird.

Die Kritik an Talkum ist vielschichtig und lässt sich im Wesentlichen in drei Hauptpunkte unterteilen:

1. Verunreinigung durch Asbest

Dies ist der schwerwiegendste Kritikpunkt. Talkum und Asbest sind Minerale, die in der Erdkruste oft in unmittelbarer Nähe zueinander vorkommen. Bei der Gewinnung von Talkum in Minen kann es daher zu Verunreinigungen mit Asbestfasern kommen.

  • Das Problem: Asbest ist nachgewiesenermaßen stark krebserregend und kann bei Einatmung Lungenkrebs oder Mesotheliome (Tumore des Rippenfells) auslösen.
  • Die Debatte: Obwohl die Industrie angibt, Talkum durch moderne Verfahren vollständig von Asbest zu reinigen, gab es in der Vergangenheit (insbesondere bei US-Herstellern wie Johnson & Johnson) Berichte und interne Dokumente, die nahelegten, dass Produkte über Jahrzehnte hinweg Spuren von Asbest enthielten.

2. Verdacht auf Eierstockkrebs

Ein langjähriger Streitpunkt ist die Verwendung von talkumhaltigem Körperpuder im Intimbereich (insbesondere bei Frauen).

  • Die Theorie: Es wird vermutet, dass Talkumpartikel durch den Fortpflanzungstrakt bis zu den Eierstöcken wandern und dort chronische Entzündungen auslösen können, die letztlich zu Krebs führen.
  • Aktuelle Einstufung: Im Juli 2024 hat die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Talkum als „wahrscheinlich krebserregend für den Menschen“ (Gruppe 2A) eingestuft. Die Experten sahen eine „begrenzte Evidenz“ für Eierstockkrebs beim Menschen, aber „ausreichende Belege“ aus Tierversuchen.

3. Gefahr durch Einatmen (Aspiration)

Besonders bei der Verwendung von Babypuder besteht die Gefahr, dass die feinen Partikel eingeatmet werden.

  • Die Folge: Da die Partikel nicht wasserlöslich sind, können sie in der Lunge Entzündungen hervorrufen und die Atemwege schädigen (sogenannte Talkose). Bei Säuglingen kann das Einatmen großer Mengen Puder sogar zu schweren Atembeschwerden bis hin zum Erstickungstod führen. Kinderärzte raten daher schon lange von der Verwendung von losem Babypuder ab.

4. Juristische Skandale

Die Kritik wurde durch massive Klagewellen in den USA befeuert. Tausende Frauen verklagten den Konzern Johnson & Johnson, weil sie ihre Krebserkrankungen auf die jahrzehntelange Nutzung von Talkum-Produkten zurückführten. Diese Prozesse führten zu Schadensersatzzahlungen in Milliardenhöhe und dazu, dass der Konzern weltweit die Produktion von talkumbasiertem Babypuder einstellte und auf Maisstärke umstellte.

Wie ist die Lage in Europa?

In der EU gelten für Kosmetika strengere Grenzwerte und Reinheitsvorschriften als in vielen anderen Teilen der Welt. Talkum muss hier von „pharmazeutischer Qualität“ sein und darf keine nachweisbaren Mengen an Asbest enthalten. Dennoch bleibt die Kritik bestehen, da Kritiker die Messmethoden zur Asbest-Detektion oft als nicht empfindlich genug bemängeln.

Fazit: Was kann man tun?

Wer auf Nummer sicher gehen will, kann Folgendes beachten:

  • Alternativen nutzen: Viele Hersteller bieten mittlerweile Puder auf Basis von Maisstärke, Reisstärke oder Tonerde an.
  • Flüssige Produkte bevorzugen: Bei Make-up oder Sonnenschutzmitteln sind flüssige Texturen unbedenklicher als lose Puder, da die Partikel nicht eingeatmet werden können.
  • Intimbereich: Auf die Anwendung von Puder im Genitalbereich sollte sicherheitshalber verzichtet werden.