Warum sind Schraubstollen auf vielen Kunstrasenplätzen aus Sicherheitsgründen untersagt?
Dass Schraubstollen (meist aus Metall oder sehr hartem Kunststoff) auf Kunstrasenplätzen oft streng untersagt sind, hat primär drei Gründe: die Gesundheit der Spieler, den Schutz des Bodenbelags und das Verletzungsrisiko für Gegenspieler.
Hier sind die Details:
1. Hohes Verletzungsrisiko für den Träger (Haftung)
Das Hauptproblem ist der sogenannte „Stopp-Effekt“.
- Kein Nachgeben des Bodens: Auf natürlichem Rasen dringen Stollen in die Erde ein. Wenn man sich dreht, pflügt der Stollen durch die Erde oder ein Stück Rasen reißt aus. Auf Kunstrasen gibt der Boden jedoch kaum nach.
- Hängenbleiben: Schraubstollen sind oft länger und schmaler als Kunstrasennocken (AG). Sie bohren sich in das Granulat und verhaken sich in dem stabilen Untergewebe des Kunstrasens.
- Folge: Wenn der Fuß fest im Boden verankert bleibt, während der Körper eine Drehbewegung macht, wirkt die gesamte Hebelkraft auf das Knie- oder Sprunggelenk. Kreuzbandrisse, Meniskusschäden und schwere Knöchelverletzungen sind die häufige Konsequenz.
2. Beschädigung des Kunstrasens
Kunstrasen ist ein teures, textiles System, das aus Kunststofffasern und einem Trägergewebe besteht.
- Zerschneiden der Fasern: Die harten, oft scharfkantigen Metallstollen wirken wie kleine Messer. Sie zerschneiden die synthetischen Halme und beschädigen das Trägergewebe (den „Rücken“ des Teppichs).
- Zerstörung der Drainage: Durch die punktuelle, enorme Krafteinwirkung der wenigen Stollen (meist nur 6 pro Schuh) kann die Elastikschicht unter dem Rasen beschädigt werden, was zu Unebenheiten führt und die Lebensdauer des Platzes massiv verkürzt.
3. Verletzungsgefahr für Mit- und Gegenspieler
Schraubstollen bestehen oft aus Aluminium oder Stahl.
- Scharfe Kanten: Durch die Reibung auf dem harten Kunstrasen und dem darin enthaltenen Sand können Metallstollen mit der Zeit scharfe Grate oder Kanten entwickeln.
- Schwerere Wunden: Bei Grätschen oder Zweikämpfen verursachen Metallstollen auf dem ohnehin schon stumpferen Kunstrasen deutlich tiefere und gefährlichere Schnitt- oder Risswunden als abgerundete Kunststoffnocken.
4. Fehlende Druckverteilung
Schraubstollenschuhe haben in der Regel nur 6 bis 8 Kontaktpunkte. Auf dem härteren Kunstrasenuntergrund führt dies dazu, dass das gesamte Körpergewicht auf diese wenigen Punkte konzentriert wird.
- Dies führt zu einer hohen Druckbelastung der Fußsohle, was Schmerzen (so genannte Druckstellen) und Blasen begünstigt und auf Dauer die Gelenke stärker belastet als Schuhe mit vielen, kürzeren Nocken (AG- oder Turf-Schuhe), die das Gewicht gleichmäßig verteilen.
Fazit: Um sich selbst vor schweren Knieverletzungen zu schützen und den kostspieligen Platz nicht zu ruinieren, sollte man auf Kunstrasen immer zu speziellen AG-Schuhen (Artificial Grass) oder Turf-Schuhen (Tausendfüßler) greifen. Diese haben mehr und kürzere Nocken, die für den nötigen Grip sorgen, ohne den Fuß „einzubetonieren“.