Warum sind die Briefkästen der Deutschen Post traditionell gelb lackiert und seit wann ist das so?

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Die gelbe Farbe der Briefkästen (und Fahrzeuge) der Deutschen Post hat eine lange Geschichte, die eng mit dem Adelshaus Thurn und Taxis und dem Heiligen Römischen Reich verbunden ist.

Hier sind die Details zur Herkunft und zum zeitlichen Ablauf:

1. Der Ursprung: Thurn und Taxis (15. bis 19. Jahrhundert)

Die Tradition der gelben Farbe begann mit der Familie Thurn und Taxis, die im späten 15. Jahrhundert das moderne Postwesen in Europa begründete. Als Generalpostmeister des Heiligen Römischen Reiches unterstanden sie direkt dem Kaiser.

  • Warum Gelb? Die kaiserlichen Farben waren Schwarz und Gold (Gelb). Um ihre Treue zum Kaiserhaus (Habsburg) und ihren privilegierten Status zu zeigen, nutzte die Familie Thurn und Taxis diese Farben für ihre Poststationen, Wagen und die Uniformen der Postillone.
  • Das Posthorn auf gelbem Grund wurde so zum ersten markenähnlichen Erkennungsmerkmal für Postdienstleistungen.

2. Die „blaue“ Unterbrechung (Preußen)

Es war keineswegs immer alles gelb in Deutschland. Im 19. Jahrhundert, als Preußen zur dominierenden Macht aufstieg, war die Postfarbe in preußischen Gebieten Dunkelblau. Mit der Gründung des Deutschen Kaiserreichs 1871 wurde die Reichspost zunächst ebenfalls stark von preußischen Traditionen geprägt, und viele Briefkästen waren blau oder später auch rot.

3. Seit wann ist es einheitlich Gelb?

Die endgültige Festlegung auf Gelb als universelle Farbe für die Post in ganz Deutschland geschah erst nach dem Zweiten Weltkrieg:

  • 1946: Der Alliierte Kontrollrat entschied kurz nach dem Krieg, dass die Post in allen Besatzungszonen einheitlich Postgelb (heute RAL 1032) sein sollte. Dies diente der besseren Sichtbarkeit und der Abgrenzung zu den Farben der Zeit des Nationalsozialismus (in der Rot eine große Rolle spielte) sowie zur Vereinheitlichung der verschiedenen regionalen Traditionen.
  • Seitdem blieb Gelb die Identitätsfarbe, sowohl für die Bundespost in Westdeutschland als auch für die Deutsche Post in der DDR.

4. Warum hat man Gelb beibehalten?

Dafür gibt es drei Hauptgründe:

  1. Sichtbarkeit: Gelb ist eine Signalfarbe. Ein gelber Kasten ist im grauen Stadtbild oder bei schlechter Witterung sehr leicht zu finden.
  2. Tradition: Die Rückbesinnung auf die Farben von Thurn und Taxis schuf eine historische Kontinuität, die weit vor die politischen Brüche des 20. Jahrhunderts zurückreichte.
  3. Wiedererkennung: Nach der Privatisierung der Post in den 1990er Jahren war die Farbe „Postgelb“ so stark als Marke etabliert, dass die Deutsche Post AG sie sich sogar als Marke schützen ließ.

Zusammenfassung

Die Farbe stammt ursprünglich aus dem 15. Jahrhundert (Farben des Kaisers/Thurn und Taxis), war aber zwischendurch (besonders in Preußen) durch Blau ersetzt worden. Seit 1946 ist Gelb die verbindliche und einheitliche Farbe für Briefkästen in ganz Deutschland.