Warum quietschen Bremsscheiben beim Bremsvorgang?

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Das Quietschen von Bremsscheiben ist physikalisch gesehen ein Phänomen, das durch hochfrequente Schwingungen entsteht. Man kann es mit dem Geräusch vergleichen, das entsteht, wenn man mit einem feuchten Finger über den Rand eines Weinglases fährt.

Hier sind die Hauptgründe, warum Bremsen quietschen:

1. Schwingungen und Resonanz

Der häufigste Grund ist nicht die Bremsscheibe selbst, sondern die Reibung zwischen Bremsbelag und Bremsscheibe. Wenn diese nicht perfekt aufeinander abgestimmt sind oder die Beläge minimal im Bremssattel „arbeiten“, entstehen Vibrationen. Diese übertragen sich auf das gesamte Bremssystem und werden als hohes Quietschen hörbar.

2. Verglaste Bremsbeläge

Wenn Bremsen extrem heiß werden (z. B. durch langes Bergabfahren oder Vollbremsungen) und danach nicht wieder "freigebremst" werden, kann die Oberfläche der Beläge „verglasen“. Sie wird hart und spiegelglatt. Dadurch verliert der Belag den optimalen Grip auf der Scheibe, was zu Vibrationen und Quietschen führt.

3. Rost und Verschmutzung

  • Flugrost: Nach längerer Standzeit oder bei feuchtem Wetter bildet sich eine dünne Rostschicht auf der Stahlscheibe. Beim ersten Bremsen reibt der Belag diesen Rost ab, was Geräusche verursachen kann. Das verschwindet meist nach ein paar Bremsungen.
  • Bremsstaub und Dreck: Schmutz oder festgesetzter Bremsstaub zwischen Belag und Scheibe kann ebenfalls für Reibwertschwankungen sorgen.

4. Fehlende Schmierung (an den richtigen Stellen!)

Bremsbeläge müssen in ihren Führungen im Bremssattel leicht gleiten können. Wenn die Rückseite der Beläge oder die Führungen trocken sind, entstehen Schwingungen direkt zwischen dem Bremskolben und dem Belag. Fachleute nutzen hierfür spezielle Antiquitschpaste (z. B. Keramikpaste), die auf die Rückseite (niemals auf die Reibfläche!) aufgetragen wird.

5. Verschleißanzeige

Manche Bremsbeläge haben eine mechanische Verschleißanzeige – ein kleines Metallplättchen. Wenn der Belag zu dünn wird, kratzt dieses Metall bewusst auf der Scheibe, um den Fahrer durch ein schrilles Quietschen darauf aufmerksam zu machen, dass die Beläge gewechselt werden müssen.

6. Neue Bremsen

Wenn Scheiben oder Beläge neu eingebaut wurden, müssen sie sich erst „einbremsen“. Die Oberflächen sind mikroskopisch noch nicht perfekt aneinander angepasst. In den ersten 200–500 Kilometern kann es daher gelegentlich zu Geräuschen kommen.

7. Einseitige Belastung oder festsitzende Bremssättel

Wenn ein Bremssattel nicht mehr richtig öffnet, schleift der Belag permanent leicht an der Scheibe. Das führt zu Hitze, Verglasung und damit zum Quietschen.


Was kann man tun?

  1. Freibremsen: Wenn das Quietschen durch leichte Verschmutzung oder Verglasung kommt, helfen oft ein paar gezielte (aber sichere!) Bremsungen aus höherer Geschwindigkeit.
  2. Reinigen: Mit Bremsenreiniger Schmutz entfernen.
  3. Werkstattbesuch: Wenn das Quietschen dauerhaft bleibt, die Bremsleistung nachlässt oder das Lenkrad beim Bremsen flattert, sollte ein Profi die Bremse prüfen, reinigen und ggf. die Kanten der Beläge brechen (leicht anschrägen) oder Paste auftragen.

Wichtig: Die Bremsen sind das sicherheitsrelevanteste Bauteil am Auto. Im Zweifelsfall immer eine Werkstatt aufsuchen!

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