Warum perlt das Lötzinn an der Lötstelle ab, anstatt zu fließen?

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Wenn das Lötzinn an der Lötstelle abperlt (man nennt das auch „Nicht-Benetzen“), liegt das fast immer daran, dass das Zinn keine chemische Verbindung mit der Oberfläche eingehen kann. Anstatt sich auszubreiten, zieht es sich aufgrund der Oberflächenspannung zu einer Kugel zusammen.

Hier sind die Hauptgründe dafür und wie du sie behebst:

1. Oxidation (Der häufigste Grund)

Metalle bilden an der Luft eine Oxidschicht. Diese Schicht wirkt wie eine Schutzhaut, auf der das Lötzinn nicht haften kann.

  • Lösung: Die Lötstelle muss metallisch rein sein. Bei starker Oxidation hilft mechanisches Reinigen (vorsichtiges Kratzen, Glasfaserradierer oder feines Schleifvlies).

2. Fehlendes oder verbrauchtes Flussmittel

Das Flussmittel im Lötzinn hat die Aufgabe, die Oxidschicht während des Lötvorgangs chemisch zu lösen und eine erneute Oxidation zu verhindern.

  • Das Problem: Wenn du zu lange auf der Stelle herumbratest, verdampft das Flussmittel komplett. Ohne Flussmittel perlt das Zinn sofort ab.
  • Lösung: Zusätzliches Flussmittel (Löthonig, Flux-Pen) verwenden oder frisches Lötzinn (mit Seele) zuführen.

3. Zu niedrige Temperatur der Bauteile

Ein häufiger Anfängerfehler: Man schmilzt das Zinn direkt an der Lötkolbenspitze, aber das Bauteil selbst ist noch kalt. Das Zinn erstarrt sofort beim Kontakt mit der kalten Oberfläche, ohne sie zu benetzen.

  • Lösung: Erst die Lötstelle (Pad und Bauteilbeinchen) mit der Spitze gleichzeitig erwärmen (ca. 1–2 Sekunden), dann das Lötzinn direkt an die Kontaktstelle (nicht nur an den Kolben) führen.

4. Zu hohe Temperatur (Verbranntes Zinn)

Ist der Lötkolben viel zu heiß eingestellt (über 400 °C), verbrennt das Flussmittel schlagartig, bevor es wirken kann. Das Zinn oxidiert sofort an der Spitze und wird „krümelig“ oder perlt ab.

  • Lösung: Temperatur prüfen. Für bleihaltiges Lot ca. 320–350 °C, für bleifreies Lot ca. 350–370 °C.

5. Verschmutzungen (Fett und Öl)

Fingerabdrücke (Hautfett), Rückstände von Aufklebern oder Öle verhindern den Kontakt.

  • Lösung: Die Stelle vor dem Löten mit Isopropanol (Alkohol) reinigen.

6. Ungeeignetes Material

Manche Materialien lassen sich mit normalem Elektronik-Lot schlichtweg nicht löten.

  • Beispiele: Aluminium, Edelstahl oder verchromte Oberflächen benötigen spezielle Flussmittel oder sind für Weichlöten gar nicht geeignet.
  • Lösung: Prüfen, ob das Material lötbar ist (Kupfer, Messing, verzinnte Flächen sind ideal).

7. Verschmutzte Lötkolbenspitze

Wenn die Spitze schwarz und verkrustet ist, überträgt sie die Hitze nicht richtig und gibt verbrannte Reste ins Zinn ab.

  • Lösung: Die Spitze regelmäßig am feuchten Schwamm oder Metallwolle abstreifen und danach sofort wieder neu verzinnen („aktivieren“).

Kurz-Checkliste für den nächsten Versuch:

  1. Lötstelle reinigen (Isopropanol oder mechanisch).
  2. Lötkolben auf ca. 350 °C.
  3. Spitze sauber machen.
  4. Beide Partner (Draht/Pad) gleichzeitig kurz vorwärmen.
  5. Zinn dazugeben.
  6. Sobald es fließt, Kolben weg.
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