Woran erkennt man eine fehlerhafte "kalte Lötstelle"?
Eine „kalte Lötstelle“ ist eine fehlerhafte Verbindung in der Elektronik, bei der das Lot keine stabile chemische und mechanische Verbindung mit den Bauteilen eingegangen ist. Man erkennt sie an verschiedenen optischen, mechanischen und elektrischen Merkmalen.
Hier sind die wichtigsten Anzeichen:
1. Optische Merkmale (Das Aussehen)
Das ist die häufigste Art, sie zu identifizieren. Ein Mikroskop oder eine Lupe ist hierbei oft hilfreich.
- Matte Oberfläche: Eine gute (bleihaltige) Lötstelle glänzt silbrig. Eine kalte Lötstelle wirkt oft matt, stumpf oder grau. (Hinweis: Modernes bleifreies Lot ist von Natur aus etwas matter, aber eine kalte Stelle wirkt zusätzlich "dreckig" oder uneben).
- Körnige Struktur: Die Oberfläche sieht nicht glatt aus, sondern erinnert an Griesbrei oder eine raue Kraterlandschaft.
- Kugelbildung (mangelnde Benetzung): Das Lot hat sich nicht flach an den Draht und das Pad angeschmiegt, sondern bildet eine Kugel. Es sieht so aus, als würde der Tropfen auf der Oberfläche "abperlen", statt in sie hineinzufließen.
- Risse: Bei genauerem Hinsehen erkennt man feine, ringförmige Haarrisse um den Draht des Bauteils herum.
2. Mechanische Merkmale (Die Stabilität)
- Wackeln: Wenn man vorsichtig mit einer Pinzette am Bauteil wackelt, bewegt sich der Draht im Inneren des Lots, anstatt fest umschlossen zu sein.
- Leichtes Ablösen: Manchmal kann man den Draht oder das Bauteil mit minimalem Kraftaufwand einfach aus dem Lot herausziehen oder das gesamte Lotplättchen vom Board hebeln.
3. Elektrische Symptome (Das Verhalten des Geräts)
Oft bemerkt man kalte Lötstellen erst, wenn das Gerät nicht mehr richtig funktioniert:
- Wackelkontakte: Das Gerät funktioniert mal und mal nicht – oft abhängig davon, ob man leicht gegen das Gehäuse klopft oder es schüttelt.
- Temperaturabhängigkeit: Der Fehler tritt erst auf, wenn das Gerät warm gelaufen ist (durch die Ausdehnung des Metalls verliert die rissige Stelle den Kontakt). Oder umgekehrt: Es funktioniert nur, wenn es warm ist.
- Rauschen oder Knistern: In Audiogeräten äußern sich kalte Lötstellen oft durch Störgeräusche.
Warum entstehen kalte Lötstellen?
- Zu wenig Hitze: Der Lötkolben war nicht heiß genug oder wurde zu kurz an die Stelle gehalten.
- Bewegung beim Abkühlen: Das Bauteil wurde bewegt, während das Lot gerade fest wurde.
- Oxidation/Verschmutzung: Die Metallflächen waren dreckig oder oxidiert, sodass das Lot nicht haften konnte.
- Zu viel Hitze: Das Flussmittel ist verbrannt, bevor es die Stelle reinigen konnte.
Wie behebt man sie?
Meistens reicht es, die Stelle nachzulöten:
- Etwas frisches Lötzinn (das frisches Flussmittel enthält) hinzufügen.
- Die Stelle kurz und kräftig erhitzen, bis das Lot sauber verfließt.
- Falls das Lot schon sehr alt oder oxidiert ist: Altes Lot mit einer Entlötpumpe oder Entlötlitze entfernen und komplett neu löten.
Wichtiger Hinweis: Bei modernem bleifreiem Lot ist die Unterscheidung schwieriger, da dieses immer etwas matter aussieht als das klassische 60/40 Blei-Lötzinn. Hier muss man besonders auf die Form (Benetzung) und Risse achten.