Warum neigt Roggenbrot bei falscher Lagerung schneller zu Schimmelbildung als andere Sorten?
Es ist ein verbreitetes Phänomen: Während Weizenbrötchen eher hart und trocken werden, neigt Roggenbrot (besonders bei falscher Lagerung) eher zu Schimmel. Das hat mehrere chemische und physikalische Gründe, die mit der Beschaffenheit des Roggenkorns und der Backweise zusammenhängen.
Hier sind die Hauptgründe, warum Roggenbrot anfälliger sein kann:
1. Hoher Feuchtigkeitsgehalt (Pentosanen)
Der wichtigste Grund ist die Feuchtigkeit. Roggenmehl enthält hohe Mengen an sogenannten Pentosanen (Schleimstoffen). Diese können ein Vielfaches ihres Eigengewichts an Wasser binden.
- Der Effekt: Roggenbrot bleibt dadurch zwar lange saftig und frisch, hat aber einen deutlich höheren Wassergehalt als reines Weizenbrot.
- Das Problem: Schimmelpilze benötigen Feuchtigkeit zum Wachsen. Das "feuchte Milieu" im Inneren des Roggenbrotes bietet ideale Lebensbedingungen.
2. Die Lagerung in Plastik („Schwitz-Effekt“)
Da Roggenbrot so viel Feuchtigkeit speichert, gibt es diese über die Zeit auch wieder an die Umgebung ab.
- Wird das Brot in einer Plastiktüte gelagert, kann die Feuchtigkeit nicht entweichen. Es bildet sich Kondenswasser auf der Oberfläche des Brotes.
- Dieses „tropische Klima“ in der Tüte ist der perfekte Nährboden für Schimmelsporen, die überall in der Luft vorkommen.
3. Der pH-Wert und Sauerteig
Roggenbrot muss fast immer mit Sauerteig gebacken werden, damit es backfähig wird (die Säure hemmt Enzyme, die sonst die Stärke abbauen würden).
- Obwohl die Säure im Sauerteig eigentlich gegen bestimmte Bakterien (wie den Erreger der Fadenzieher-Krankheit) hilft, gibt es Schimmelpilzarten, die ein leicht saures Milieu sogar bevorzugen.
- Wenn das Brot nicht ausreichend durchgesäuert ist oder die Kruste Risse hat, finden Sporen leicht einen Weg ins feuchte Innere.
4. Die Dichte des Teiges
Roggenbrote sind meist schwerer und kompakter als luftige Weizenbrote. In diesem dichten Teig hält sich die Feuchtigkeit im Kern viel länger. Während ein Weizenbrot oft austrocknet, bevor Schimmel entstehen kann (das Wasser verdunstet schneller), bleibt das Roggenbrot lange genug feucht, damit der Schimmelpilz sein Myzel (Wurzelgeflecht) ausbilden kann.
Warum wirkt es oft so, als würde Roggen schneller schimmeln?
Eigentlich ist Roggenbrot durch den Sauerteig sogar haltbarer als einfaches Weizenweißbrot (das nach 2 Tagen altbacken ist). Der Unterschied ist die Art des Verderbs:
- Weizenbrot verdirbt meist durch Austrocknen (es wird hart).
- Roggenbrot verdirbt durch Schimmel, weil es eben nicht so schnell austrocknet.
Tipps zur richtigen Lagerung:
Um Schimmel bei Roggenbrot zu vermeiden, sollte man die Feuchtigkeit „managen“:
- Kein Plastik: Plastiktüten fördern Schimmel.
- Brotkasten aus Holz oder Ton: Ein Tontopf (Römertopf) oder ein Holzbrotkasten kann überschüssige Feuchtigkeit aufnehmen und bei Bedarf wieder abgeben.
- Schnittfläche schützen: Das Brot auf die Schnittfläche stellen, damit es dort nicht austrocknet, während die Kruste atmen kann.
- Sauberkeit: Den Brotkasten regelmäßig mit Essigwasser auswischen. Das tötet Schimmelsporen ab, die sich dort angesammelt haben könnten.